Pressekonferenz 06.02.18 in Stuttgart

Die Schatten von Notre Dame

Kaum hat „Mary Poppins“ ihren Regenschirm zu gemacht und ist nach Hamburg weitergeflogen, begann im Stuttgarter Apollo-Theater der Um-, Aus- und Einbau für das neue Musical „Der Glöckner von Notre Dame“, das schon am 18.2.2018 Premiere hat. Einen ersten Eindruck und viele Informationen erhielten wir bereits am 6.2.2018.

DSC00954Zsolt Csaba, der „Associate Producer“ (Co-Produzent), erklärte uns zunächst einmal, wieviel Arbeit hinter solch einer Produktion steckt, denn als Musicalgänger sieht man ja immer nur das Endprodukt. Doch dahinter steckt ein immenser Arbeitsaufwand. Zunächst einmal arbeiten alle Abteilungen getrennt voneinander: die Künstler auf der Probebühne, die Musiker im separaten Raum, Techniker auf der Bühne, genau wie Licht, Ton, Maske, Kostüme. Erst etwa 10 Tage vor der Premiere kommt dann alles zusammen und die Proben auf der Bühne mit Masken und Kostümen beginnen. Deshalb ist es für alle spannend, wenn schließlich die ersten Previews mit Zuschauern stattfinden.

DSC00887Das Theater verwandelt sich nun in Notre Dame und der Zuschauer hat beim Hereinkommen in den Saal schon das Gefühl, in einer riesigen Kathedrale zu stehen. Es wird nämlich keinen Vorhang geben, der die Bühne verdeckt, man schaut direkt hinein in die Kirche. Auch der Ton wird so sein wie in einer großen Kathedrale, wie uns der technische Leiter Rainer Frenkel erklärt, denn es werden im Zuschauerraum Mikrofone sein, die das „Gemurmel“ der Zuschauer mit Hall widergeben.

Unglaublich groß ist der Materialaufwand. 16 Sattelzüge brachten „Notre Dame“ nach Stuttgart, das gesamte Bühnenbild wiegt über 19 Tonnen, allein davon fallen 3 Tonnen auf den Glockenturm! Die Glocken sind zwar aus Kunststoff, doch der Schlegel ist mit einem Kontakt zum Ton verbunden, so dass die Glocke, wenn er am Glockenrand anschlägt, auch tatsächlich läutet. Das bedeutet auch, dass die Darsteller die Glocken live läuten werden. Insgesamt gibt es 7 Glocken, die extra in einer Mailänder Werkstatt, die auch die Bühnenbilder der Mailänder Scala versorgt, hergestellt wurden.

DSC00940Nach so viel technischen Informationen – und dies sind nur die Wichtigsten – ging es noch einmal hinunter auf die Probebühne, wo das Ensemble uns zwei Stücke in einer szenischen Probe präsentierte, die Eröffnungsszene,  die alleine 12 Minuten dauert, doch eben sehr entscheidend für den Verlauf des Stückes ist und die Szene mit Quasimodo und Esmeralda auf dem Glockenturm.

Das Stuttgarter Publikum darf sich auf eine tolle Besetzung freuen. David Jakobs spielte „Quasimodo“ schon in Berlin und München. Seine Verwandlung vom normalen Menschen zum Buckligen erfolgt vor den Augen der Zuschauer auf der Bühne und ist schauspielerisch brilliant. Auch Felix Martin als „Erzdiakon Frollo“ und Maximilian Mann als „Hauptmann Phoebus“ haben ihre Rollen schon in anderen Städten gespielt. Mercedesz Csampai als „Esmeralda“ ist dagegen neu im Ensemble des Glöckners, doch bringt sie aus dem „Tanz der Vampire“ schon einiges an Bühnenerfahrung mit.

Der „Glöckner von Notre Dame“ basiert auf einem Roman von Victor Hugo und erzählt die Geschichte des buckeligen „Quasimodo“. Erzdiakon Claude Frollo, der mit seinen so gar nicht heiligen Gefühlen für die schöne Zigeunerin Esmeralda kämpft (erinnert ein bisschen an Kardinal Richelieu in den 3 Musketieren), nimmt sich des Babies „Quasimodo“ an, da es das Kind seines Bruders und einer Zigeunerin ist. Doch er verbannt den Buckligen ganz nach oben zu den Glocken von Notre Dame, damit ihn niemand sieht.

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v.l.n.r. Felix Martin, Maximillian Mann, Mercedesz Csampai, David Jacobs und Gavin Turnbull der den “Clopin” spielen wird.

Die Musik von Alan Menken und Stephen Swartz wurde mehrfach ausgezeichnet und 1997 als beste Filmmusik für den Oscar nominiert. Der Zeichentrickfilm von Disney spielte über 325 Mio. US-Dollar ein. Als Regisseur des Musicals ist Scott Swartz, der Sohn von Stephen Swartz, tätig. Es ist also ein eingespieltes Team. Künstlerischer Leiter und damit für die Umsetzung verantwortlich ist übrigens Frederik Wickerts, an den sich vielleicht noch einige Stuttgarter als Alfred im „Tanz der Vampire“ erinnern.

Nun dürfen wir gespannt sein auf das neue, etwas andere Musical in Stuttgart. Aber ETWAS ANDERS ist er ja auch, der Glöckner von Notre Dame.

Text & Bilder: Ingrid Kernbach   (Musicalfreunde Stuttgart)