Glockengeläut über der Stadt – Der Glöckner von Notre Dame hält Einzug in Stuttgart

Premiere am 18.2.2018

Nach seiner Uraufführung 1999 in Berlin im Theater am Potsdamer Platz und einer Spielzeit von drei Jahren musste Quasimodo im Jahr 2002 erst einmal eine längere Pause in Deutschland einlegen. Erst ab 9.4.2017 durfter er wieder in Berlin, aber diesmal im Theater des Westens und in einer neuen Inszenierung, die Glocken läuten. Von da ging seine Reise weiter nach München, wo am 7.1.2018 die letzte Show stattfend. So ist „Der Glöckner von Notre Dame“ „nur“ eine Tournee-Produktion.

In kürzester Zeit schafften es die Bühnenarbeiter und Techniker, das Equipment, das auf 16 Tiefladern in Stuttgart ankam, im Theater einzubauen, nachdem auch noch die Kulissen von Mary Poppins ausgebaut und nach Hamburg geschickt werden mussten. Alleine der Kirchenstuhl von Notre Dame wiegt 13 Tonnen, denn nicht zuletzt muss er auch den großen Chor tragen, der stimmlich das Stück begleitet.

Bodyguard zu Gast bei der Premiere: Chiara Fuhrmann und Zodwa Selele besuchten die Kollegen auf der anderen Straßenseite

Und dann war es am 18.2.2018 endlich soweit. Stage-Entertainment hatte geladen und viele, mehr oder weniger bekannte, Promis kamen. Neben Caroline Beil, Gudrun Landgrebe, Frank Elstner, Norbert Schramm, Natascha Ochsenknecht, Jochen Bendel, Frl. Wommy Wonder, Sängerin Anita Hofmann u.v.m. waren auf dem roten Teppich auch ein paar Musicaldarsteller zu finden, darunter Kevin Tarte, Zodwa Selele, Alexander di Capri, Lucy Scherer, Hannes Staffler, Nyassa Alberta und Philipp Hägeli.

Nach dem Umbau zum Glöckner gibt es keinen Vorhang mehr, der den Blick auf die Bühne verhüllt. Die Zuschauer betreten quasi die Kathedrale. Auch die Geräusche im Theater werden durch Hall verstärkt, so dass man wirklich das Gefühl hat, in einer großen Kirche zu sein.

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Felix Martin als Frollo bei den Proben – hier fragt er sich gerade, wie er mit seinem Neffen verfahren soll

Sehr beeindruckend ist die erste Szene, in der die Darsteller die Geschichte des Diakons Frollo und seines Bruders erzählen. Der Bruder, ein fröhlicher Lebemann, der weder dem Wein und noch den Frauen abgeneigt ist, versucht Frollo eine Zigeunerin zu vermitteln. Doch Frollo, der Kirchenmann, hasst dies alles. Als er Jahre später an das Sterbebett seines Bruders gerufen wird, eröffnet ihm dieser, dass seine Frau, eine Zigeunerin, ihm ein Baby geboren hat, da er aber stirbt, dessen Leben in Frollos Hände legt. Doch das Baby ist ein Krüppel.

Frollo verdammt den Jungen in den Glockenturm von Notre Dame, wo er heranwächst. Nun erscheint zwischen all den Mönchen auf der Bühne der Hauptdarsteller David Jakobs und vor den Augen der Zuschauer verwandelt er sich in den buckligen Glöckner. Die Verwandlung, nur durch einen Sack auf dem Buckel und ein paar Strichen im Gesicht, ist unglaublich. Plötzlich ist das Gesicht schief und Quasimodo spricht auch nicht mehr ganz normal. Schauspielerisch eine unglaubliche Leistung.

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Die Verwandlung zu Quasimodo – David Jakobs und Felix Martin während den Proben

Neben David Jakobs als Quasimodo steht Felix Martin als der Erzdiakon Frollo auf der Bühne. Auch er überzeugt als der unbarmherzige Kirchenmann, der auf der einen Seite die Zigeunerin Esmeralda begehrt, da er sie aber nicht haben kann, sie und alle, die sie lieben, zerstören will. Dass dies dann auch seinen Schützling Quasimodo betrifft, ist ihm egal.

Esmeralda, gespielt von Mercedesz Csampai, geht in ihrer Rolle der verführerischen Zigeunerin auf. Doch Esmeralda ist nicht nur schön, sie ist auch intelligent und bietet dem Erzdiakon Frollo die Stirn. Und dann gibt es noch den Hauptmann Phoebus (Maximilian Mann), der auch dem Charme Esmeraldas verfällt und sich gegen seinen Dienstherren Frollo stellt.

Die Geschichte des Glöckners wurde schon häufig erzählt, weshalb wir hier nicht weiter darauf eingehen möchten. Es ist eine traurige, herzzerreißende Geschichte und viele Zuschauer hatten danach Tränen in den Augen. Wobei gerade Quasimodo mit seiner naiven Art hin und wieder für einen Lacher sorgt. Und das Merkel-Dreieck, das König Louis XI. mit der Bemerkung „Ich bin kein Mann schneller Entscheidungen“ macht, brachte manch einen Zuschauer zum Lachen.

Gruppenbild nach der gelungenen Premiere

Gruppenbild nach der gelungenen Premiere

Unglaublich schön ist die Musik des Musicals, geschrieben von Alan Menken, mit den Texten von Stephen Swartz. Als Regisseur der deutschen Produktion hat sich Stage-Entertainment den Sohn von Stephen Swartz, Scott Swartz, geholt. Dieser war auch bei der Premiere in Stuttgart dabei.

„Der Glöckner von Notre Dame“ ist in Stuttgart angekommen und wurde vom Premierenpublikum gefeiert. Hoffen wir, dass die Begeisterung sich auch auf die Zuschauer der weiteren Vorstellungen überträgt.

Text und Bilder: Ingrid Kernbach