Die Fledermaus feiert Premiere in Darmstadt

„Die Fledermaus“, eine Operette von Johann Strauß, feierte in dem fast ausverkauften großen Saal des Staatstheaters Darmstadt am 09.12.2017 Premiere. Die Texte des Stückes sind von Carl Haffner und Richard Genée nach der Komödie „Le Réveillon“ von Henri Meilhac und Ludovic Halévy.
Die Aufführung in Darmstadt erfolgt in deutscher Sprache mit Übertiteln.
Betrachtet man alles mit kulturellem Auge, so ist „Die Fledermaus“ nicht nur das weltweit berühmteste Bühnenwerk von Johann Strauß, sondern auch das einzige unangefochten hochgeschätzte Werk der Wiener Operette überhaupt.

© Martina Pipprich

© Martina Pipprich

Im ersten Akt singt Alfred (David Lee) seiner ehemaligen Geliebten Rosalinde (Katharina Persicke) ein Ständchen. Rosalinde ist eigentlich verheiratet mit Gabriel (Carsten Süss). Gabriel muss eine mehrtägige Haftstrafe wegen Beleidigung eines Amtsdieners absitzen, sodass Rosalinde Alfred nicht widerstehen kann und will, denn sie möchte schließlich nicht alleine bleiben, wenn ihr Gatte seinen Arrest antritt. Adele (Katharina Ruckgaber), das Dienstmädchen, fühlt sich durch Alfreds Gesang bei ihrer täglichen Hausarbeit gestört. Was noch Keiner weiß: Adele hat eine Einladung zu einem Fest des Fürsten Orlofsky (Xiaoyi Xu) bekommen – glaubt sie! In Wirklichkeit kommt die Einladung von ihrer Schwester Ida (Claudia Artner) und über Dr. Falke (Christoph Filler). Um zu dem vermeintlichen Fest des Fürsten Orlofsky gehen zu können, erfindet Adele eine kranke Tante, wegen der sie dringend das Haus verlassen muss. Dr. Falke überredet seinen Freund Gabriel von Eisenstein dazu, ihn zu dem Fest des Fürsten zu begleiten. Eigentlich muss Gabriel ja sofort ins Gefängnis, doch dem Gedanken an hübsche Ballerinen kann er nicht widerstehen und schleicht sich verdeckt als „Marquis Renard“ zum Ball. Unter Tränen verabschieden sich die Eheleute Rosalinde und Gabriel von Eisenstein zuhause – Rosalinde ahnt ja nicht, wohin ihr Mann wirklich geht, andererseits ahnt dieser aber auch nicht, was Rosalinde während seiner Abwesenheit geplant hat. Während Rosalinde mit Alfred schöne Stunden verbringt, erscheint der Gefängnisdirektor Frank (Georg Festl), der glaubt Alfred sei Gabriel von Eisenstein und diesen fest nimmt…

Im zweiten Akt geht es um das große Künstlerfest des Fürsten. Voller Vorfreude finden sich die Gäste ein. Unter ihnen Gabriel als „Marquis Renard“, Gefängnisdirektor Frank als „Chevalier Chargrin“ und auch Adele, die sich von ihrer Schwester Ida als „Künstlerin Olga“ vorstellen lässt. Mittlerweile hat Rosalinde herausgefunden, dass ihr Mann sich nicht im Arrest, sondern beim Künstlerfest befindet. Als „Gräfin von Ungarn“ mischt sie sich unter die Gäste und beobachtet ihren Mann sehr genau. Dieser wiederrum erkennt seine eigene Frau nicht und ist sehr angetan von der ungarischen Gräfin. Beschuldigt, gar keine echte Ungarin zu sein, muss Rosalinde ihre Nationalität mit einem feurigen Csárdás beweisen. Doch Dr. Falke wird das alles zu ernst und er ruft die Gäste dazu auf Brüderschaft zu trinken.

Der dritte Akt der komischen Operette steht ganz im Zeichen des Gefängnisses: Der zu Unrecht inhaftierte Alfred singt in der Zelle den ganzen Tag und nervt damit den Gefängniswärter Frosch (Walter Renneisen), der ihm den Rechtsbeistand Dr. Blind (Michael Pegher) bestellt hat. Während Frank, der Gefängnisdirektor, gedanklich noch voll bei dem Fest ist, besuchen ihn Ida und Adele. Sie gestehen „Chevalier Chargrin“, dass Adele gar keine Künstlerin, sondern nur ein Dienstmädchen ist. Da sie aber gerne eine Künstlerin wäre, versuchen sie ihn zu überreden, ihr zu helfen. Als Gabriel von Eisenstein dann seine Haftstrafe antritt, kommt es zum völligen Chaos. Frank, der mühsam versucht allen klar zu machen, dass er gar kein französischer Adeliger ist, glaubt Gabriel nun nicht mehr, dass er wirklich der echte Gabriel ist. Als auch noch Rosalinde im Gefängnis erscheint, kommt es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen ihr, ihrem Ehemann und Alfred. Am Ende erscheint die komplette Festgesellschaft und gibt zu erkennen, das alles nur ein Scherz war…

© Martina Pipprich

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Das große Ensemble des Staatstheaters Darmstadt sorgt während der 2 Stunden und 45 Minuten langen Aufführung für viele Lacher im Publikum. Trotz schauspielerischer Höchstleistung hat man dennoch das Gefühl, dass dieses Stück kein Ende zu nehmen scheint und man leicht den Anschluss der Handlung verliert. Die schnellen Übergänge sorgen für einige Fragen, wie man in der Pause des Stückes durch Zuschauerstimmen raushören kann.
Die schweren Bühnenteile werden mechanisch hoch- und runtergezogen und stellen das Zuhause der Familie von Eisenstein, den Saal des Künstlerfestes und das Gefängnis dar. Die Kostüme sind sehr aufwendig und vervollständigen das Gesamtbild sehr gut. Akustisch wäre bei den Sprechpassagen mehr Laustärke und bei den Gesangsparts weniger Lautstärke wünschenswert.

Zu sehen ist „Die Fledermaus“ noch bis zum 08. Juni 2018 im Staatstheater Darmstadt. Die genauen Termine und weitere Infos zum Stück und dem Theater findet ihr unter: www.staatstheater-darmstadt.de .

© Martina Pipprich

© Martina Pipprich

Die Besetzung:
Gabriel von Eisenstein: Carsten Süss
Rosalinde: Katharina Persicke
Frank: Georg Festl
Prinz Orlofsky: Xiaoyi Xu
Alfred: David Lee
Dr. Falke: Christoph Filler
Dr. Blind: Michael Pegher
Adele: Katharina Ruckgaber
Ida: Claudia Artner
Frosch: Walter Renneisen
Iwan: Frank Koch
Melanie: Anna David
Felicitas: Lisa Wehle
Natalie: Elke Waibel
Minni: Kyra Galal
Weitere Koryphäen: Anna Gorohkova, Veronika Kolomaznikova und Valerie Vercelot
Ali-Bey: Werner Volker Meyer
Ramusin: Radoslav Damianov
Murray: Stanislav Kirov
Cariconi: Tom Schmidt

Opernchor des Staatstheaters Darmstadt
Staatsorchester Darmstadt
Statisterie des Staatstheaters Darmstadt


Artikel von Natascha, Fotos von Martina Pipprich