“Die allergrößte Herausforderung erlebt ein Musicaldarsteller jeden Tag auf’s Neue”

Interview mit Laura Friedrich Tejero

Foto: Laura Friedrich Tejero

Foto: Laura Friedrich Tejero

Die Deutsch-Spanierin Laura Friedrich Tejero absolvierte ihre Ausbildung an der Musik und Kunst Universität der Stadt Wien. Im Rahmen des Studiums spielte sie unter anderem Trix in „The Drowsky Chaperone“ und Nina Rosario in der deutschsprachigen Erstaufführung von „In the Heights“. Dieses Stück entstand unter der Aufsicht des Komponisten Lin-Manuel Miranda aus ihrer eigenen Übersetzung. Noch vor ihrem Abschluss engagierte man Laura als Anette in „Saturday Night Fever“ beim Musicalsommer Amstetten, als Sophie Weber in „Mozart!“ am Wiener Raimundtheater, für „Artus (Excalibur)“ an der Felsenbühne Staatz und als Cover Peróns Geliebte in „Evita“ am Wiener Ronacher. Zuletzt stand sie als Consuela und Anita in der „West Side Story“ auf der Bühne des Mecklenburgerischen Staatstheaters. In einer anderen Inszenierung des Bernstein-Klassikers an der Staatsoper Hannover spielt sie derzeit die Rosalia, verkörpert die Rolle der Heather in der deutschsprachigen Erstaufführung von „American Idiot“ in Frankfurt/Main und übersetzt das Musical „Altar Boyz“.

In einem kurzen Interview gab uns Laura einen kleinen Einblick in ihre Arbeit:

Bitte stelle dich und deinen Job kurz vor. In welchen Stücken konntest du vor deinem Engagement bei „American Idiot“ schon Erfahrungen sammeln?

Hallo, ich bin Laura und habe meine Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der Musik und Kunst Universität der Stadt Wien absolviert. Im Rahmen des Studiums spielte ich unter anderem Trix in “The Drowsy Chaperone” und Nina Rosario in der deutschsprachigen Erstaufführung von “In the Heights”, das ich unter Aufsicht des Komponisten Lin-Manuel Miranda auch selbst übersetzt habe. Außerdem habe ich die Annette in “Saturday Night Fever” beim Musicalsommer Amstetten, Sophie Weber in “Mozart!” am Wiener Raimundtheater, im Ensemble von “Artus (Excalibur)” an der Felsenbühne Staatz und als Cover Peróns Geliebte in “Evita” am Wiener Ronacher gespielt. Zuletzt stand ich als Consuela und Anita in der “West Side Story” auf der Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters und spiele derzeit die Rosalia in einer anderen Inszenierung von “West Side Story” an der Staatsoper Hannover. Zusätzlich arbeite ich gerade an der Übersetzung des Musicals “ALTAR BOYZ”.

Mit „American Idiot“ habt ihr am 17. Januar 2018 deutschsprachige Erstaufführung in Frankfurt am Main gefeiert. Was ist das Besondere an dem Stück und warum sollte man es sich unbedingt ansehen?

Es treffen ganz viele unterschiedliche Welten aufeinander. Das merkt man schon, wenn man im Publikum sitzt. Dort gibt es die richtigen Green Day Fans, die schon als Billie Joel Armstrong verkleidet am Steg sitzen, die Musicalfans, die den Tag davor noch an der Stage Door von “Aladdin” standen, die skeptischen Theaterkritiker und die Kollegen, die sich uns nicht so recht als Punk-Rocker vorstellen können. Man muss diese Atmosphäre zwischen Musical und Konzert selbst erleben. Es ist wirklich sehr spannend. Für mich persönlich war das Besondere an der Produktion eindeutig das Team. Und zwar jeder einzelne. Von der Produktion über die Ausstattung, Technik, Marketing, Grafik, Band, Leading Team, Cast bis hin zum Publikum. Alles junge, energiegeladene Revoluzer, die nicht im Konjunktiv sprechen. Was Off-Musical Frankfurt da aus dem Boden gestampft hat, ist sehr inspirierend für alle zukünftigen Theatermacher, die noch nicht den Mut und Ehrgeiz für die gewisse Eigeninitiative gefunden haben.

Wenn du deine Rolle mit drei Worten beschreiben müsstest, welche fallen dir spontan ein?

Heather ist stark, liebebedürftig… und schwanger.

Fiel es dir schwer dich auf deine neue Rolle und die Musik von „Green Day“ einzulassen?

Green Day ist nicht gerade die Art Musik, die ich im Unterricht am Konservatorium Wien studiert habe. Es ist wirklich alles andere als das, wofür ich 4 Jahre lang ausgebildet wurde. Meine ehemalige Gesangslehrerin und auch meine Ballettlehrerin dürfen bloß nicht wissen, was “American Idiot” mit mir gemacht hat. Wir wussten überhaupt nicht, was auf uns zukommen würde. Viele von uns haben den Schalter erst in den letzten Tagen umlegen können. Wir wussten nur, dass wir – wie die Figuren im Stück – aus den festgebissenen Konventionen ausbrechen und etwas komplett Neues auf die Beine stellen wollten. “American Idiot” hat mir als Darstellerin sehr gut getan. Endlich war alles erlaubt. Jede Wut, die man immer professionell unterdrücken muss, darf man hier entgleiten lassen. Am Ende des Stücks bin ich der ausgeglichenste Mensch auf der Welt. So eine Punk-Rock-Kur sollte von Therapeuten verschrieben werden!

 Was war beruflich gesehen die bisher größte Herausforderung für dich?

Dadurch, dass wir bei dieser Produktion fast durchgängig auf der Bühne sind, muss ich schon sagen, dass das eine der großen Herausforderungen für mich gewesen ist. Die allergrößte Herausforderung allerdings erlebt ein Musicaldarsteller jeden Tag auf’s Neue. Neben den ganzen Niederlagen muss man immer wieder seinen Staub abklopfen und neu an sich glauben. Kling poetisch, ist aber in der Praxis ein echter Hund!

Vielen Dank, für die Zeit für unser Interview. Wir wünschen dir für deine berufliche und private Zukunft alles Gute und viel Erfolg!


04/2018
Interview von Natascha