Der Mann der Sherlock Holmes war (Joop van den Ende Academy 2016)

Ein Musical von Marc Schubring und Wolfgang Adenberg
In einer Inszenierung der Stage Entertainment Studios
Mit Studenten der Joop van den Ende Academy
Bericht von Nathalie Brandt (NB2909)

Szenenfoto aus DER MANN, DER SHERLOCK HOLMES WAR mit SchŸlerinnen und SchŸlern der Joop van den Ende Academy, Stage Entertainment Studios in Hamburg im Februar 2016. Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Ein Kreativteam braucht Musiker und Schauspieler, damit sein Stück auf der Bühne zum Leben erweckt wird. Letztere werden seit dem  Jahr 2003 an der Joop van den Ende Academy in den Räumen der Stage Entertainment am Hamburger Kehrwieder ausgebildet.

Im Sommer 2016 soll nun jedoch diese Ausbildungsstätte geschlossen werden. Bis dahin läuft der Unterricht weiter und so stand im Februar 2016 die traditionelle Abschlussproduktion auf dem Plan der Studenten.

Die Jahresabsolventen waren während ihrer gesamten Ausbildung zwar bereits in unterschiedlichen Produktionen zu sehen, aber diese Abschlussinszenierung ist schon etwas Besonderes. Die Wahl fiel auf „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ (zum Inhalt).

DIE DARSTELLER

Szenenfoto aus DER MANN, DER SHERLOCK HOLMES WAR mit v.l., Justus Schmeck (Jules), Charlotte Gemble (Claudette Ganymare), Karim Ben Mansur (Jacques) - Joop van den Ende Academy, Eine Produktion der Stage Entertainment Studios in Hamburg, im Februar 2016. Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Bestritten wurde das Stück von allen sich derzeitig an der Akademie befindlichen Studenten. Der Absolventenjahrgang stand als Erstbesetzung in den Hauptrollen auf der Bühne. Karim Ben Mansur ist „Jaques“. Er und Justus Schmeck als „Jules“ stellen die Handlanger von „Madame Ganymare“ dar. Diese bringt die zwei Tollpatsche, die oft mehr Glück als Verstand haben, ständig durcheinander. Dies alles machte den größten, komödiantischten Anteil am Stück aus.

Aber nicht nur das. Das Gangster Duo ist dauernd in Bewegung – auch waren sie diejenigen, die den extra neu komponierten Song „So viel Zeit muss sein“ vortragen durften. „Madame Ganymare“ wurde so herrlich schön böse und verrückt von Charlotte Gemble dargestellt – ihr französischer Akzent und ihr dunkles Timbre rundeten die Darstellung ab.

Andrea Luca Cotti war „Mackie McMacpherson(Dr. Watson)“, der immer schüchterne Kumpan von „Morris Flynn (Sherlock Holmes)“, der von Lukas Strasheim dargestellt wurde. Morris ist der mutigere von beiden, ihm kam auch die Idee, sich die Kleidung des berühmten Detektives Holmes zuzulegen. Mackie war von Anfang an der Meinung, dass das schief geht, wächst aber mit der Zeit und erlangt mehr Selbstbewusstsein. Beide harmonierten sehr gut miteinander und stellten ihre Charaktere in allen Facetten wunderbar dar. Der zurückhaltende Mackie und der etwas draufgängerische Morris.

Luisa Meloni war Jane Berry, die realistischere und selbstsicherere der beiden Berry-Schwestern. Zusammen mit Kathrin Finja Meier, die als Drittsemester den Absolventenjahrgang als Erstbesetzung der „Mary Berry“ ergänzt und die träumerische Schwester gab, harmonierten sie ebenso gut.

Szenenfoto aus DER MANN, DER SHERLOCK HOLMES WAR mit SchŸlerinnen und SchŸlern der Joop van den Ende Academy, Stage Entertainment Studios in Hamburg im Februar 2016. Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Die Studenten im 3. Semester agieren in den Ensemblerollen, wobei sie alsCover eingesetzt werden konnten. Jasmin Alshaibani, Chiara Fuhrmann, Lukas Haiser, Max Meister, Olivia Papoli-Barawati, Hannah Moana Paul und Felix Radke geben als Schaffner, Richter, Staatsanwältin, Polizeichef ja sogar als Kaminschmuck, Champagnerkiste oder Druckmaschine alle nicht nur gesanglich eine gute Figur ab. Auch das Schauspiel ist hier schon sehr überzeugend.

Die Erstsemester bekamen einen Auftritt direkt nach der Pause am Anfang der zweiten Hälfte, in dem sie sich, ihre Tanzkunst und ihre Stimmen präsentieren konnten.

Alle waren sie in ihren Darstellungen einfach fantastisch – eine tolle neue Generation an Darstellern steht dort bereit für die Bühne.  Es war die reinste Freude, ihnen zuzusehen. Wandelbar, agil, ganz in ihren Rollen vertieft – man nahm jedem seinen Part ab. Und man fühlte sich wohl.

Die Band, unter der Leitung von Mathias Weibrich, war ein Genuss. Hier kamen Studenten der Hochschule für Musik und Theater und des Hamburger Konservatoriums zum Einsatz.

DAS KREATIVTEAM

Szenenfoto aus DER MANN, DER SHERLOCK HOLMES WAR mit v.l. Lukas Strasheim (Morris Flynn/ Sherlock Holmes), Andrea Luca Cotti (Mackie McMacpherson / Dr. Watson), Luisa Meloni (Jane Berry), Kathrin Finja Meier (Mary Berry) - Joop van den Ende Academy, Eine Produktion der Stage Entertainment Studios in Hamburg, im Februar 2016. Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Das erfolgreiche Komponisten-Duo Marc Schubring (Musik) und Wolfgang Adenberg (Buch & Liedtexte), konzipierten nach dem gleichnamigen UFA-Film „Der Mann, der Sherlock Holmes war“, aus dem Jahre 1937, mit Hans Albers und Heinz Rühmann, das Musical. Die Musik lehnt an diese Zeit an und man möchte sofort mitswingen. 2009 hatte das Stück an der Staatsoperette Dresden Uraufführung und wurde hochgelobt. Es ist aber auch kein Wunder. Die Schubring/Adenberg-Musicals bringen wieder längst vergessenes Leben auf die Bühne. Und dieser Sherlock Holmes macht Spaß. Es fehlt an nichts. Liebe, Komik, ernste und komische Momente, man fühlt sich rundum wohl.

Eine wirklich gelungene Umsetzung unter der Regie von Carline Brouwer, die den Academy Absolventen einiges abverlangt. So lässt sie sie bei der Eröffnungsnummer „Das Verbrechen ist überall“ wie geisteskranke Patienten im einem Edgar Wallace Film agieren. Dieser kalte Schauer, der einem schon am Anfang der Filme über den Rücken läuft, denn die Protagonisten erinnern hier, leichenblass geschminkt (Haare und Make-up: Andrea Ellegast), an eben solche Figuren.

Für die Bühne ist Carla Janssen Höfelt verantwortlich. Der Spielort besteht nur aus Stühlen, die zu einer Art Pyramide mit einem Durchgang, so dass man sie als Ein- und Ausgang verwenden kann, aufgestapelt sind. Einige von ihnen sind mobil, damit sie in den unterschiedlichen Bildern Verwendung finden können. Es gibt auch noch eine Kiste und einen Tisch, die hin und wieder die Kulisse bereichern.

Für das Licht ist Marc Burkhardt verantwortlich. Die Bühne ist überwiegend in ein bläuliches Licht getaucht, gespickt mit weiß-gelben Spotlights. Es hinterlässt eine gruselig-schummrige Stimmung, wieder passend zu der leichten Edgar Wallace Stimmung.

FAZIT

Tolles Musik-Theater, das Lust auf viel mehr macht. Engagierte, junge Darsteller, die es kaum erwarten können, die Theaterbühnen zu erobern – die Jubelrufe, selbst nach der letzten Vorstellung, waren kaum zu überhören und ließen einen lächelnd das Studio verlassen.

Wir wünschen allen Absolventen eine wunderbare Zukunft und hoffen für die noch verbleibenden, dass sie ihre Ausbildung doch noch an der Joop van den Ende Academy beenden können und ihnen dieses nicht genommen wird.

Szenenfotos aus DER MANN, DER SHERLOCK HOLMES WAR  – Joop van den Ende Academy, Eine Produktion der Stage Entertainment Studios in Hamburg, im Februar 2016.
Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen