Der Hauptmann von Köpenick

DAS Berlin Musical

Rezensierte Vorstellung vom 23. Juli 2017

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Der traditionsreiche Admiralspalast in der Berliner Friedrichstraße feiert in diesem Jahr sein Sommermusikfestival und mit dem „Hauptmann von Köpenick“ bringt er vom 22.07.2017-06.08.2017 das zweite Musical auf die Bühne. Das Stück, welches auf eine mehr als hundert Jahre entfernte, aber dennoch wahre Begebenheit zurückgeht, geht mittlerweile in die dritte Spielzeit. Nach der historischen Vorlage des Schuhmachersohnes Wilhelm Voigt, dessen Einmarsch ins Köpenicker Rathaus und Raub der Stadtkasse in die Geschichtsbücher einging, wurde das Geschehen zunächst von Carl Zuckermayer adaptiert und als Vorlage für ein Drama genutzt. Dem folgten zahlreiche Verfilmungen, Hörspiele und nicht zuletzt das gleichnamige Musical aus dem Jahr 2016, welches der Feder von Heiko Stang entsprang.

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Der Inhalt ist in kurzen Worten erzählt. Wilhelm Voigt, gerade aus dem Gefängnis entlassen, sieht sich gezwungen, erneut kriminell zu werden. Nicht etwa, weil es ihm im Blut steckt, sondern weil er vom System dazu gezwungen wird. Ihm fehlen sowohl eine Arbeit als auch eine Aufenthaltsgenehmigung. Leider kann er das Eine ohne das Andere nicht bekommen und versucht sein Glück zunächst mit einem Einbruch in ein Polizeirevier, der allerdings scheitert und erneut hinter Gittern endet. Weitere zehn Jahre später und inzwischen militärisch ausgebildet, wird er erneut entlassen und findet Unterschlupf bei seiner Schwester und deren Mann. Leider scheitert auch der nächste Versuch, Arbeit zu finden oder eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, so dass er, kurz vor seiner Ausweisung, bereits am Bahnhof auf den Zug wartend, eine gebrauchte Hauptmannsuniform erwirbt. Mit dieser am Leib und an eine Gruppe Soldaten angeschlossen, macht er sich auf den Weg zum Köpenicker Rathaus, wo er den Bürgermeister gefangen nimmt. Als er von jenem erfährt, dass es im Rathaus keine Stelle gibt, wo ihm ein Pass ausgestellt werden kann, verzweifelt Voigt und vergreift sich an der Stadtkasse. Schließlich stellt er sich den Behörden unter der Bedingung, dass er nach seiner Entlassung dann endlich einen Pass erhält.

Der große Saal ist an diesem Sonntagabend leider nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Obgleich das Stück gerade wie gemacht ist für die Hauptstadt, bleiben zu viele Plätze leer. Der Qualität der Vorstellung tut das jedoch keinen Abbruch. Das Bühnenbild ist kreativ, aber nicht überladen. Es sind die Darsteller und die sehr bunten und originalgetreuen Kostüme, die einen in die zwanziger Jahre zurückversetzen. Der breite Berliner Dialekt, der vom ersten bis zum letzten gesprochenen, wie auch gesungenen Wort anhält tut sein Übriges, um das Stück authentisch wirken zu lassen. Für viel Freude und Gelächter sorgt auch die Interaktion der Darstellenden mit dem Publikum, so wird dieses direkt ins Geschehen einbezogen, und es werden Flugblätter zur Ergreifung des Flüchtigen Wilhelm Voigts verteilt.

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Die Entwicklung, die Nowka seiner Figur angedeihen lässt, ist über das Stück enorm. Die Jahre im Zuchthaus prägen Wilhelm Voigt und seine Ideen, zu seinem Recht zu kommen, werden stets kühner und dreister. Mit immer größer werdender Offenherzigkeit präsentiert er sich, bis er schließlich selbstbewusst den Hauptmannsrock trägt und sein Anliegen kund tut.

Beeindruckend ist jedoch auch das Zusammenspiel der restlichen Cast auf der Bühne, die das bunte Treiben mit flotten Sprüchen, Tanz und Gesang zum Leben erwecken und in atemberaubendem Tempo die zweieinhalb Stunden, die nur durch eine kurze Pause unterbrochen werden, vergehen lassen.

Es gibt viel verdienten Szenenapplaus und den Zuschauern ist die Freude über den durchweg gelungenen Abend in die Gesichter geschrieben.

Darsteller:

Wilhelm Voigt – Maximilian Nowka
Plörösenmieze (Liesken) – Juliane Maria Wolff
Wabschke/ Moritatensänger – Jesse Garon
Friedrich Hoprecht / Oberwachtmeister – Michael Seeboth
Marie Hoprecht – Ina Wagler-Fendrich
Paul Kallenberg/ Zuchthausdirektor – Tobias Berroth
Bürgermeister Obermüller/ Knell – Andreas Goebel
Mathilde Obermüller/ Wirtin – Susanne von Lonski
Adolf Wormser – Michael Chadim
Willi Wormser – Martin Markert
Hauptmann v. Schlettow – Martin Kiuntke
Fanny – Bianca Benjamin

Ensemble: Sebastian Smulders, Lena Weiss, Maximilian Stang, Katrin Höft

Kreativteam:

Regie und Bühne: Heiko Stang
Arrangement und Orchestrierung: Frank Hollmann
Choreographie: Doris Marlies
Steppchoreographie: Nini Stadelmann

Weitere Informationen zum Musical unter www.hauptmann-musical.de


Artikel von Andrea