CD Release Konzert Christina Patten

A Million Dreams…

Holstenhallen Neumünster am 14.10.2018

Einer von Millionen Träumen geht für Christina Patten an diesem Sonntagabend in Neumünster in Schleswig Holstein in Erfüllung. Nach langer Planung, einem nicht immer geraden Weg und einigen genommenen Hürden hält sie nun endlich ihr „Baby“, ihre eigene Best of Musical CD in den Händen und präsentiert sie mit einem CD Release Konzert der Öffentlichkeit. Dass das Interesse durchaus groß ist zeigt sich an diesem mit fast sommerlichen Temperaturen aufwartenden Herbsttag bereits vor dem Beginn. Lange bevor sich die Türen zum Foyer der Holstenhallen öffnen, stehen ihre Fans, die es kaum erwarten können, in langer Schlange vor selbigen und warten geduldig im strahlenden Sonnenschein. Bei freier Platzwahl geht es zunächst über den Roten Teppich, auf dem sich die Besucher an diesem Abend ein klein wenig wie Stars fühlen dürfen und erwerben, neugierig auf das Programm bereits bevor die ersten Töne die Luft schwängern, die ersten Exemplare des noch druckfrischen Albums. Endlich ist das Cover enthüllt, welches Patten anmutig in einem wehenden roten Kleid zeigt, und was noch viel wichtiger ist, endlich ist auch die lange gehütete Trackliste des zwölf Songs und einen Bonustitel umfassenden Albums kein Geheimnis mehr.

Christina Patten

Die Vorfreude steigt spürbar, als alle Gäste ihren Platz eingenommen haben, und die Akustikband auf der noch tageslichtdurchfluteten Bühne Platz nimmt. Den musikalischen Auftakt gibt ein akustisches Medley aus dem „Greatest Showman“, jenem allseits beliebten und bekannten Musikfilm, der seit Jahresanfang die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert und aus dem ein Songtitel auch Namenspate für das an diesem Tag veröffentlichte Album „A Million Dreams“ ist. Geraldine Galka, ein Ausnahmetalent an der Violine und Tino Horat, der bereits eigene Soloalben mit seiner Klaviermusik veröffentlicht hat und mit seinem know how stets Ansprechpartner für Christina Patten war, harmonieren hervorragend miteinander und entführen das Publikum bereits jetzt auf eine musikalische Reise. Genau das ist es auch, was die Gastgeberin mit ihrer Platte zu erreichen versucht – musikalische Vielfalt auf höchstem Niveau.

Nach einer fulminanten Begrüßung geht die „Reise durch die Zeit“ mit dem gleichnamigen Titel aus dem Film „Anastasia“ los. Über viele Jahre begleite dieser Titel sie schon, sei es in ihrer Diplomarbeit oder bei Konzerten und darum sei es ihr nicht schwer gefallen, diesen als Nummer eins vorzutragen, moderiert die überaus sympathische Sängerin ihren sehr besonderen Abend an, den sie selbst als „Belohnung“ für viel harte Arbeit bezeichnet. Stolz zelebriert sie ihr erstes Album, welches sie gemeinsam mit ihrem Partner Max Poschau auf Beine gestellt hat. Dass der Spagat zwischen Professionalität und Bodenständigkeit gelingt zeigt das sympathische Nordlicht direkt in ihrer ersten Ansprache, als sie es sich nicht nehmen lässt, ihre Freunde und Familie, die an einem solchen Abend natürlich nicht fehlen dürfen und teilweise weite Anreisewege auf sich genommen haben, persönlich zu begrüßen. Auch die Bürgermeister ihrer Wahlheimat Neumünster und Wasbek, dem Ort in dem sie aufgewachsen ist, sind der Einladung der Sängerin gefolgt. Gekommen sind jedoch nicht nur Gäste, die das Bühnengeschehen vom Publikum aus verfolgen, sondern auch jene, die selbige mit ihr teilen – zumindest für diesen Abend.

Andreas Bongard
Andreas Bongard

Ihr erster Gast ist Freund und Kollege Andreas Bongard, mit dem sie bereits 2016 in Magdeburg beim Musical „Hair“ auf der Bühne stehen durfte und der auch Teil der „Musical Broadway Show“ im vergangenen Jahr gewesen ist. An diesem Abend steht er als Duettpartner an Pattens Seite. Neben „Finding Neverland“ steht für sie beide „Tarzan“ und als Gänsehautgarant ein absolut emotionales „Rewrite the stars“ aus dem „Greatest Showman“ auf dem Programm. Weiter empfiehlt Andreas Bongard sehr eindringlich das Musical „Dear Evan Hansen“, aus dem sein Solo in diesem Konzert stammt. „For forever“ bedeute ihm sehr viel, erzählt er und trägt es im zweiten Teil des Abends überaus leidenschaftlich vor. Das Stück erzählt von Freundschaft und einer sehr innigen Beziehung, und genau das sei es auch, was ihn und Christina verbinde, auch wenn sie es nicht lassen können, sich hin und wieder zu necken.

Die Idee eine eigene CD zu produzieren ist nicht neu, doch vom Gedanken bis zur eigentlichen Umsetzung sollte es noch über ein Jahr dauern. Auf höchst unterhaltsame Weise erfährt das Publikum von ebendiesem steinigen Weg und den ersten Gedanken, die mit ihrem Umzug von Hamburg nach Neumünster im Februar konkret geworden seien. Dort habe es die Möglichkeit gegeben ein eigenes kleines Studio in die neue Wohnung einzubauen. Noch während der vielen Arbeit sei es zur Songauswahl und den ersten Klavieraufnahmen gekommen, auf denen die gesamte Produktion fußt. Sehr professionell haben sie und Max Poschau sich mit der grundsätzlichen Frage, wie man eine CD produziere, auseinandergesetzt. „Wirklich wichtig zu wissen ist, dass keiner so genau weiß, wie das funktioniert.“, schmunzelt sie. Man ziehe einfach alle Quellen zurate und würde dann aus jeder die Bausteine entnehmen, die einem selbst noch fehlten. Für alle Interessierten, die vielleicht selbst mit dem Gedanken spielen, sich den Traum ebenfalls zu verwirklichen, fasst sie den Ablauf der Produktion etwa wie folgt zusammen: Sponsoren suchen und finden, die Songs für die Platte wählen, Gastkünstler und Musiker aussuchen, Songs aufnehmen, Songs bearbeiten, Songs an ein Studio senden für das Mixen und Mastern, einen Namen für die CD erdenken, das Coverfoto schießen, CD Produktion bei der GEMA anmelden, die Hülle entwerfen, die Auslieferungsgenehmigung der GEMA abwarten, das fertige Werk an ein Presswerk senden und hoffen, dass das Ergebnis sich optisch sehen lassen kann, anschließend den Vertriebsweg bestimmen, in ihrem Fall der Onlineshop und nicht zuletzt, als kleine Sahnehaube ein Abend wie dieser heutige 14. Oktober, an dem dann das lang ersehnte und verdiente Release Konzert stattfindet, was natürlich auch noch organisiert werden muss. Im Mai entschloss sich das Paar zusätzlich zu ihrer Aufnahme ein eigenes Unternehmen anzumelden, „Mati Music Concerts GbR“ (www.matimusic.de), unter dem sie nicht nur einen Onlineshop betreiben, sondern auch Konzerte und Events anbieten. Im kommenden Jahr soll der Fokus des jungen Unternehmens auf Musicalkonzerten in und um Neumünster liegen.

Mathias Edenborn
Mathias Edenborn

Mit ihrem zweiten Duettpartner des Abends, Mathias Edenborn, hat Christina noch nicht gemeinsam gespielt, aber für eine gemeinsame CD Aufnahme ist dieser Umstand kein Hindernis. Eine Hürde habe für die Aufnahmen lediglich das letzte Engagement Edenborns bei Ghost dargestellt, welches ihn zeitlich sehr eingespannt hat, so dass er einige Strapazen auf sich hätte nehmen müssen, um unbedingt die gemeinsamen Aufnahmen zu realisieren. Wie auch an diesem Sonntagabend, dessen Einladung er, zwischen den Proben für „Anastasia“, in welchem er demnächst in Stuttgart Premiere feiern wird, gerne gefolgt sei. Neben den Duetten mit der Gastgeberin und gefeierten Protagonistin gibt er auch ein Solo aus „Broarna i Madison County“ zum Besten. In seiner Muttersprache wird er zum Monatsende drei Vorstellungen in Malmö spielen und nutzt die Gelegenheit den Zuschauern an diesem Abend einen kleinen Einblick zu geben. Dass man auch in fremde Rollen schlüpfen kann, ohne sie gespielt zu haben, zeigen die beiden als sie sich kurzerhand in Rocky und Adrian verwandeln. Wer den Song aus dem Musical „Rocky“, in der Konstellation auf der Bühne von Edenborn und Patten live performt sehen darf, hat wahrlich „Wahres Glück“. Harmonisch sind in diesem Moment nicht nur die Stimmen, sondern auch die deutlich sichtbare Sympathie, die die beiden Freunde verbindet.

Judith Patten
Judith Patten

Als dritter Gast steht niemand anderer als Christinas Schwester, Judith Patten, auf der Bühne. Von ihren Konzerten ist sie kaum noch wegzudenken, natürlich darf sie weder auf der CD, noch an diesem Abend an der Seite ihrer Schwester fehlen. Gemeinsam tragen sie mit „Wie ich bin“ aus „Wicked“ eines der schönsten Musicalduette vor, die es zwischen Frauen gibt. Die Geschwister Patten harmonieren stimmlich sehr gut und begeistern damit einmal mehr ihr Publikum. Judiths Solo ist „Ich bin bereit“ aus dem Film Vaiana – mit der geballten Ladung Energie, die sie dem Publikum entgegen schmettert, erntet sie zu Recht großen und langanhaltenden Jubel. Mit „A Million Dreams“ aus „The Greatest Showman“ schlägt das Geschwisterpaar vor der Pause noch einmal den Bogen zum Anfang und damit auch zum Titel des an diesem Tag veröffentlichten Albums.

Mit noch mehr ungebändigter, guter Laune geht es nach der Pause weiter. Rhythmisches Trommeln erweckt die Lust im Takt mitzuwippen und zu klatschen, was einige Zuschauer auch nutzen, ehe Mathias Edenborn und Andreas Bongard bewaffnet mit Bananen und Mikrofonen die Bühne betreten und sich dort erst einmal zur Belustigung der Zuschauer demonstrativ zu sortieren beginnen, ehe sie mit „Wanna be like you“ den zweiten Teil des Abends einläuten. Inzwischen ist es dunkel geworden und die Bühnenbeleuchtung kommt wesentlich besser zur Geltung als noch zu Anfang des Konzertes, wo der helle Hintergrund das stimmungsvolle Arrangement ein wenig störte.

Die Gelegenheit ist günstig, im Anschluss auch ein paar Worte über die Band zu verlieren. Mit Tino Horat, der auch für die Arrangements auf dem Album verantwortlich zeichnet, begleitet kein Unbekannter ihr Konzert am vom Jazzclub Neumünster spontan zur Verfügung gestellten Klavier. Geraldine Galka an der Violine spielt virtuos und wurde zuletzt an der Akademie des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg aufgenommen. Für die CD Aufnahme und das Konzert hat sie sich gern die Zeit genommen. Thies Thode begleitet die Sänger mit seinen Trommelkünsten, während Marco Ramforth, der eigentlich bei den „Acoustic Gentlemen“ in der Band spielt, die Saiten seiner Gitarre zupft.

Mit viel Witz, Charme und Esprit führt die Gastgeberin von einem Song zum nächsten und unterhält zwischendurch mit kurzweiligen Anekdoten aus dem Produktionsalltag, die das Konzert zu einem ganz besonderen Event machen. So erfährt das Publikum, dass ein heißer Sommer wie der diesjährige in einer kleinen Aufnahmekammer von weniger als 2,5m² noch ein wenig heißer werden kann – für die Sängerin schweißtreibend, für Partner Max wahrscheinlich im doppelten Wortsinn, wenn dann schon mal alle Hüllen fallen, da ein Ventilator für die Frischluftzufuhr ja kontraproduktiv sei. Der Moment, die Songs das erste Mal aus der Hand zu geben, um sie abmischen zu lassen, sei eine weitere Hürde gewesen, die sie gemeinsam zu bezwingen hatten. Vieles stellt man sich offenbar leichter vor, als es am Ende wirklich ist. Nach langer Suche fiel die Entscheidung für Claus Hofrichter (www.wellsound.de), der für das Mixing and Mastering der CD verantwortlich ist. Je mehr man sich in seine Arbeit hineinsteigert, je kleinteiliger sie wird, desto mehr würde man sich darin auch verlieren und manchmal sei es wichtig, den nötigen Abstand dazu noch einmal zu gewinnen, ist sich Christina Patten sicher. Wichtig sei nicht absolute Perfektion, sondern stets sein Bestes zu geben, dass sie das in diesem Sommer getan habe, davon sei sie überzeugt. Glücklich erzählt sie davon, dass sie viel über sich und ihre Stimme gelernt hat, Stärken und Schwächen hätten sich herauskristallisiert und damit unendlich viele neue Möglichkeiten eruiert. Doch nicht nur über die Aufnahme berichtet sie, sondern reißt auch die Gründe für die Songauswahl immer wieder an. Ein Lied aus ihrer ersten Produktion, „Rebecca“, darf natürlich – zum Glück für den Zuhörer – nicht fehlen und die Entscheidung für „Zeit in einer Flasche“ war goldrichtig, wie auch der frenetische Applaus im Anschluss an die Darbietung zeigt. Auch ihre Lieblingsrolle sollte mit „Nur für mich“ aus „Les Miserables“ vertreten sein, welches tief unter die Haut und in die Herzen geht. Nach einer langen Liste an nicht fehlen dürfenden Danksagungen an alle Beteiligten neigt sich das Konzert seinem Ende entgegen. Mittlerweile kommt Christina Patten beim „Bonustrack“, bewusst nicht „Titel 13“ genannten Lied an. „What a Feeling“, fasst inhaltlich wohl den gesamten Abend unter einem Songtitel passend zusammen. Der Moment dabei sein zu dürfen, wenn das, was am Jahresanfang noch ein Geisteskind war laufen lernt, ist ein unglaubliches Gefühl. Mit ihrer gemeinsamen Zugabe „Let the Sun shine“ entlassen Patten und ihre Gäste das Publikum in die Nacht, nicht ohne sich für jeden der es möchte noch einmal persönlich Zeit für Bilder oder Autogramme – natürlich auf der frisch erworbenen Platte – zu nehmen.

Nicht jeder der an diesem Abend gespielten Titel ist auch auf der CD zu hören, aber jeder Titel der CD wurde dargeboten. In den Genuss der zahlreichen zusätzlichen Schmankerl sowie der Soli der Gäste, die sich gekonnt in die Setlist des Abends einfügen, kommen lediglich die rund 450 Zuschauer, die ihre Künstlerin gebührend feiern.

Christina Patten hat eine der wohl schönsten weiblichen Stimmen des deutschen Musicalmarktes und endlich gibt es sie auch zum „mit-nach-Hause-nehmen“, für unterwegs und die Zeit des Wartens auf ein eigenes Album hat für alle Fans mit der Veröffentlichung von „A Million Dreams“ ein Ende. Ihre Gäste zeigen sich durchweg stolz darüber, ein Teil davon sein zu dürfen. Das absolut gelungene Album einer grandiosen Künstlerin mit einer überaus durchdachten Songauswahl darf in keinem Regal fehlen. Nicht nur ein Hörgenuss ist garantiert, sondern das Coverfoto von Flash-Bros.com, an dessen Entstehung das Paar gemeinsam beteiligt war, garantiert ebenfalls eine Augenweide.

Wer Christina Patten auch einmal live erleben möchte, hat im Dezember an zwei aufeinander folgenden Tagen die Möglichkeit dazu. Am 15. Dezember im Kiek In! In Neumünster und am 16. Dezember im Stadttheater Heide findet „Die etwas andere Weihnachtsgala“ statt, zu der sie ihre Fans recht herzlich einlädt. Karten gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.


Text und Fotos: Andrea