Beat It! live – Die Show über den King of Pop!

(c) Andrea Ney

 

Am 29.08.2018 feierte „BEAT It! live – Die Show über den King of Pop!“ ihre Weltpremiere in Berlin. Anlässlich des sechzigsten Geburtstages Michael Jacksons versammelten sich zahlreiche Menschen, um seine Musik noch einmal zu feiern und in einer spektakulären Hommage dem viel zu früh verstorbenen Sänger zu gedenken. Aber was macht nach wie vor den Zauber aus? – diese Frage lässt sich auch nach der gut zweieinhalbstündigen Bühnenshow nicht final beantworten. Fürwahr ist es Oliver Forster gelungen, eine phänomenale Show auf die Beine zu stellen, doch Inhalt sucht man vergeblich. Die anfänglich eingebauten Szenen über den Beginn von Jacksons Karriere verlieren bereits nach wenigen Minuten an Spannung, wenn einem bewusst wird, dass es sich mitnichten um ein Musical handelt, wie im Vorfeld beworben worden war – mittlerweile nennt sich „Beat It!“ nur noch „Show“, was auch an jenem von den Erbverwaltern angezettelten Rechtsstreit liegen mag – sondern um eine lose Abfolge von 26 nicht einmal chronologisch korrekt zusammengewürfelten Hits Michael Jacksons. Diese sind allerdings, was man neidlos anerkennen muss, überaus gekonnt in Szene gesetzt.

(c) Andrea Ney

Bühnenbild und Lichtshow sind äußerst spektakulär und lassen keine Wünsche offen. Das Auge wird permanent gut unterhalten, wenn auch an einigen Stellen an Tänzern gespart wurde und die vorhandenen auf der großen Bühne am Potsdamer Platz etwas verloren wirkten. Die Choreographie unter Detlef Soost wirkt solide und ausgereift, so dass es ein Genuss ist den zehn Tänzern zuzuschauen. Stephan Bolz, der für die Kostüme verantwortlich zeichnet, hat sich eng ans unvergessene Original gehalten. So wird der Zuschauer auf eine Zeitreise durch sämtliche modische Fehltritte Jacksons mitgenommen, die stets stilecht gezeigt werden und genauso unvergessen sind wie dessen Musik, die hier leider streckenweise vom Band kommt.

Die Liveband der Show ist mit fünf Mitgliedern besetzt, die sich auch immer wieder aktiv am Bühnengeschehen beteiligen.

(c) Bühnenlichter
(c) Andrea Ney

Mit Koffi Missah als jungen Michael Jackson und Dantanio Goodman als Erwachsenem, ist die Besetzung der Hauptfigur mehr als geglückt. Die Ähnlichkeit ist – abgesehen von Kleinigkeiten – absolut verblüffend und gerade Goodman wächst beinahe über sich hinaus. Er überlebt als Imitator sein Vorbild und erzeugt mit seiner Authentizität beinahe den Eindruck, dass die Zeitmaschine funktioniert. Viele kleine Details begeistern das Publikum, begonnen beim legendären Moonwalk, den die Bühnenfigur beinahe inflationär häufig zum Besten gibt. Auch Kleinigkeiten die Jackson zum Markenzeichen wurden, wie sein Hut oder ein glitzernder Handschuh sorgen für Aufsehen. Viel Szenenapplaus der treuen Fans zeigt an, dass die Show trotz aller Inhaltsleere funktioniert und bei all jenen ankommt, die seine Musik noch immer lieben. Dennoch bleibt die Frage offen, was die kurzen szenischen Ausbrüche am Anfang, als der junge Michael einen Taschenspiegel erhält, der seine Besonderheit symbolisieren soll aber nie wieder thematisiert wird, oder eine Verfolgungsjagd durch Reporter, die überaus gelungen umgesetzt, allerdings reichlich deplatziert wirkt und einige andere Kleinigkeiten in dieser Show für einen Sinn ergeben. Dem Spannungsbogen dienen sie jedenfalls nicht, denn eine Geschichte fehlt hier leider gänzlich.

(c) Andrea Ney

Die Darstellung der einzelnen Songs auf der Bühne – gemeinsam mit den Tänzern und Videoprojektionen im Hintergrund hingegen – wirkt beinahe wie ein Geniestreich. Sei es „Black or White“, was eine wahre Augenweide ist, oder auch „Wanna be startin´ somethin´“, wobei Goodman synchron zu eingespielten Videoprojektionen seine Bewegungen „einstudiert“. Es bleibt unverständlich, warum bei einer so lange beworbenen und vorbereiteten Show so unglaublich viel Potential verschenkt wird. Dennoch werden Fans sie lieben – die Verkaufszahlen sprechen offenbar bereits jetzt für sich. Für Berlin sind schon heute Zusatztermine im kommenden Jahr bekannt, an denen sie im Admiralspalast gastieren wird. Ab dem 30. Oktober wird „Beat It! Live – die Show über den King of Pop!“ für ein halbes Jahr durch Deutschland und Österreich touren. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.


Text und Fotos: Andrea



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Verfasst 6. September 2018 von Andrea in category "News-Archiv