#Bauchgefühl – Ein Abend mit Valentini & Klotz

Premiere der Konzertreihe am 30.11.2017 im Admiralspalast Berlin

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Zu einer musikalischen Reise durch viele gemeinsame Jahre luden Roberta Valentini und Thomas Klotz am letzten Novemberabend in Berlin ein. Die kleine Nebenbühne des Admiralsplastes ist für einen solchen Anlass wie geschaffen, der Rahmen mit nur etwa 150 Zuschauern beinahe schon intim. Allein schon die Bühnendekoration macht neugierig, als Lichtquelle dort dienen unzählige Tüten auf denen Hashtags prägnante Begriffe wie „Liebe“, „Gefühl“ und zahllose andere kurze, zumeist positive und lebensbejahende Worte verkünden. Diese werden von innen heraus mit LED Kerzen beleuchtet und tauchen die Bühne in einen warmen Lichterschein.

Als es gegen 20 Uhr los geht, und das Licht im Zuschauerraum erlischt, bleiben diese Tüten vorerst die einzigen diffusen Lichtquellen und noch im Dunkeln nehmen Jens Uhlenhoff seinen Platz am Klavier und Elisabeth Erber ihren Platz am Cello ein, während Thomas und Roberta kaum sichtbar auf einem Barhocker in der Bühnenmitte Platz nehmen und dort ihr erstes Lied des Abends in beinahe völliger Dunkelheit anstimmen. Mit dem ersten Ton nehmen sie die Herzen des Publikums gefangen. Es ist ein Gefühl von Wärme, welches wie eine Welle durch den Raum flutet und von Anfang an die Zuschauer mit auf eine besondere musikalische Reise nimmt.

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Mit großem Applaus werden die Künstler nach diesem Einstand willkommen geheißen. Thomas Klotz erklärt, was eigentlich Hashtags mit dem Konzert zu tun haben, und wie sich #Bauchgefühl laut Wikipedia definiert. Doch eigentlich sei die Definition nebensächlich, wenn man für sich feststellt, dass jenes Gefühl für die wichtigsten Entscheidungen im Leben eine große Hilfe ist. Man solle öfter auf sein #Bauchgefühl hören und aus dieser Erkenntnis sei auch der Titel des Abends entstanden, mit einer Auswahl von Songs die beiden sehr am Herzen liegen und ihnen viel bedeuten. Das Konzert ist in einige Abschnitte untergliedert und beginnt mit dem Hashtag #Kindheit. Es entwickelt sich ein Zwiegespräch zwischen den beiden, die nicht nur auf der Bühne ein Paar sind, und sie rufen sich einige Kindheitserinnerungen ins Gedächtnis. Einige davon sind eng mit ihren Lieblingsfilmen verknüpft. Dies ist die perfekte Überleitung zu den nun folgenden Liedern. Thomas trägt ein sehr bewegendes „The last unicorn“ vor, während Robertas Lieblingsfilm „Anastasia“ ist, welchen sie nach eigener Aussage auswendig kann. Sie singt daraus und freut sich bereits auf einen Besuch am Schauplatz im kommenden Jahr.

Der Kindheit schließen sich die Studienjahre an und die ersehnten ersten Engagements. Mit #Herzenslieder singen sie sich ins Herz des Publikums und performen unter anderem „With or without you“. Durch die Beleuchtung, die Geschichten, die gelebte Intimität zwischen den beiden Künstlern und die besondere Musikauswahl entsteht ein ganz besonderes Gefühl der Verbundenheit, welches auch die Zuschauer erreicht. Über das gesamte Konzert kann dieses vom ersten Moment an gelebte, willkommene Gefühl, aufrechterhalten werden.

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Die #Auditions, eine weitere große Station und immer wieder ein Thema im Leben eines Künstlers werden nun symbolisch und musikalisch auf die Bühne gebracht. Einige Anekdoten bringen die Gäste zum Schmunzeln, während andere sie beinahe mitleiden lassen. Man hofft sehr, dass Thomas irgendwann einmal auf Katy Perry trifft, die ihm sein ganz persönliches „Fire work“ singt.  Andererseits ist ihm natürlich zu wünschen, dass dies nicht nötig sein wird, verbindet er diesen Wunsch doch damit, nach einem nicht erfolgreichen Vorsingen wieder aufgebaut zu werden.

Dass Roberta ein Talent für Sprachen zu haben scheint, wissen die Meisten. An diesem Abend zieht sie jedoch alle Register, als sie „Let it go“ in fünfundzwanzig (#fünfundzwanzigistsiedennwahnsinnig?) Sprachen zum Besten gibt. Damit das Publikum auch weiß, was sie gerade singt, springt Thomas als „Nummerngirl“ ein und hält für die Zuschauer Schilder mit der jeweils gerade gesungenen Sprache nach oben. Seine kleine persönliche Showeinlage ist hier noch einmal hervorzuheben. Mit viel komödiantischem Talent nutzt er die kurze Verschnaufpause Robertas für einen mit großem Gelächter honorierten kurzen Tanz.

Einige ihrer persönlichen Favoriten, auch fernab der Bühne und des Berufes teilen sie an diesem Abend mit den Anwesenden. Zudem erfahren wir, dass Thomas gern englische Texte ins Deutsche übersetzt. Dazu gehört auch „Say something“, welches beide gemeinsam unter #Liebe vortragen, ehe Roberta mit „Schwesterherz“ schließt. Mit diesem Song möchte sie alle Menschen ansprechen, mit denen sie sich verbunden fühlt.

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Nach einer kurzen Pause bleibt es lustig und überaus emotional. #Mittendrinstattnurdabei könnte man vielleicht titeln, wenn man als Zuschauer einen Hashtag finden sollte. Doch es geht mit #Helden der Kindheit weiter, zu denen Herbert Grönemeyer zählt. Auch Sarah Connor hat ihren Platz in diesem Konzert verdient. „Lieder, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, muss man einfach singen“ , sagt Roberta und hat damit nicht Unrecht.

Sehr ehrlich und emotional erzählt Thomas Klotz von seiner Zeit beim Musical „Burnout“ , welches am Admiralspalast Premiere feierte und später in Siegen noch einmal aufgeführt wurde. Er singt für eine #unvergessen(e) Freundin, Miriam Pielhau, die ihm -nicht nur in dieser Produktion- den Weg gewiesen hat, und die wenige Monate nach der letzten Vorstellung verstarb.

Es folgen Songs aus „Dear Evan Hansen“, begleitet von einer Anekdote, ein Titel von Udo Jürgens und ein weiterer aus „Big Fish“, mit der „Anweisung“, sich zumindest diese beiden Musicals einmal anzusehen, sollte sich die Gelegenheit dazu bieten, es solle sich auf jeden Fall lohnen.

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Um von der überaus emotionalen Schiene fort zu kommen, stellen sie nun kurzerhand die Weichen, tauschen nach kurzem Vorgeplänkel die Rollen und beweisen eindrucksvoll, dass Frauen ebenso gut Herrenrollen im Musical meistern können, wie Herren Damenrollen. Robertas „Alfred“ ist ebenso witzig wie überzeugend, und steht Thomas‘ „Elpheba“ in nichts nach. Die Lachtränen des Publikums sind ihnen Gewiss und großer Jubel und Applaus begleitet diesen witzigen Rollentausch.

Kaum ein Thema wird ausgelassen und die emotionale Achterbahnfahrt nimmt ihren Lauf durch den Abend. Es ist interessant zu sehen, was die Künstler bewegt und diesen kleinen, aber durchaus intimen Einblick gewährt zu bekommen. #Bauchgefühl ist ein wunderschönes Konzertformat, welches nicht an Gefühlen spart und nicht nur den Kopf, sondern speziell auch den Bauch anspricht. Zwei Ausnahmekünstler, begleitet von tollen Musikern, noch dazu in einem sehr schönen intimen Rahmen geben sich die Ehre und sind überaus nahbar und authentisch.

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Artikel und Fotos von Andrea