Arthur & Claire

Premiere im Grenzlandtheater Aachen

am 19. August 2018

 

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Obwohl der Sommer noch auf seinem Zenit steht, sich mit schönstem Wetter von seiner besten Seite zeigt, eröffnet das Grenzlandtheater Aachen seine neue Spielzeit am 19. August 2018 mit einem vielleicht nicht für jeden sofort mit Wärme in Verbindung zu bringendem Stück. Es geht um ein Thema, dass Menschen im Allgemeinen eher frösteln lässt, ihnen die Gänsehaut über den Körper treibt, es geht um zwei Todessehnsüchtige. In dem beschaulichen, familiären Theater freut sich das Publikum am heutigen Sonntag auf die Premiere von „Arthur & Claire“, einer bezaubernden, aber intensiven Tragikomödie von Stefan Vögel, voller kluger und witziger Dialoge nebst einer guten Portion schwarzen Humors.

Der Lehrer Arthur – mit „h“ – leidet an Lungenkrebs im Endstadium. Der passionierte Nichtraucher nimmt nach monatelangen Vorbereitungen, sein Schicksal selbst in die Hand und reist „urlaubsmäßig“, um seinen Kollegen keine Unannehmlichkeiten zu bereiten und seinen Kindern die Erklärung zu ersparen, in den Ferien nach Amsterdam. Dort möchte er die Dienste einer Sterbeklinik in Anspruch nehmen und am nächsten Tag, um genau zwölf Uhr, seinen „endgültigen“ Abschied zelebrieren. Seinen letzten Abend plant er in einem ruhigen Hotelzimmer, mit einem ausgezeichneten Wein und einem feudalen Essen zu verbringen, um möglichst früh mit Musik von Ravel auf den Ohren einzuschlafen – schließlich müsse er fit sein, um seinen Tod am folgenden Tag mit allen Sinnen zu erfassen.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Sein Plan wird lautstark aus dem Nachbarzimmer durchkreuzt. Dort hat sich die junge Claire eingemietet, die vollkommen verzweifelt auf der Suche nach Erleichterung ist und diese in ihrem Freitod wähnt. Sie fühlt sich schuldig am Unfalltod ihrer Familie – sie fuhr den Wagen. Mit Schlaftabletten, Taschenmesser und dickem Strick bewaffnet, laut Jim Morrison hörend, versucht sie gerade sich die Tabletten einzuverleiben, als der wild gewordene, nicht wirklich amüsierte Zimmernachbar, vehement Ruhe einfordernd, Einlass an ihrer Zimmertür begehrt. Nachdem Claire endlich seiner Forderung nach Abschalten der Musik nachgibt, wendet Arthur sich zum Gehen und stolpert quasi sprichwörtlich über den an der Gardinenstange drapierten, auf sein Opfer wartenden Strick. Sofort erwachen seine Lebensgeister und er setzt seine ganze Autorität und sein Wissen als Lehrer ein, um sein Gegenüber davon zu überzeugen, dass sie diesen Plan eigentlich gar nicht umzusetzen bereit ist. Den Beginn macht dabei die Beichte Claires über das „Warum“ – warum sie sterben will.

Die beiden sehr unterschiedlichen Menschen geraten in intensive Wortgefechte und vergessen darüber beinahe ihre eigentlichen Vorhaben. Während Claire immer weniger Bereitschaft zeigt, an ihres zu glauben, möchte Arthur seines weiterhin in die Tat umsetzen. Seine neu gewonnene Bekannte kann ihn schließlich überreden, ihren letzten gemeinsamen Abend nicht allein zu verbringen und sie erleben eine Nacht voller Wein und Joints, die sie am nächsten Morgen, fast zu spät für die Klinik, zusammen in einem Bett mit wenig Bekleidung erwachen lässt. Claire hat die Nacht scheinbar sehr gut gefallen, da sie sich nun nichts sehnlicher wünscht, als Arthur auch weiterhin an ihrer Seite zu haben und sie beginnt zu kämpfen.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Arthur versucht seinerseits ihren Bemühungen zu wiederstehen, unterliegt aber letzten Endes, unter Eingeständnis seiner Verfehlungen der Familie gegenüber, dennoch ihrem Charme. In der Folge gelingt es ihm mit Unterstützung seiner Lebensgefährtin sein Leben wieder auf funktionierende Beine zu stellen und seine Familie über seinen Tod hinaus zu versöhnen. Mit einem Abschiedsbrief von Arthur – sehr lapidar geschrieben – beginnt das Stück und es endet mit der Übergabe des neu verfassten durch Claire an seinen Sohn. Am Ende ist man davon überzeugt, dass trotz des nicht wie ursprünglich geplant stattgefundenen Ablebens eines der Protagonisten letztlich doch alles gut geworden ist. Frei nach Oscar Wilde, „Am Ende ist alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.“

Arthur & Claire ist auf den ersten Blick keine leichte Kost, wird aber durch den großen Wortwitz und die überaus charmante Darstellung sehr lebendig und zeigt, dass auch ein scheinbar „todernstes“ Thema seine durchaus humorvollen Seiten haben kann. Die lebensbejahende Wendung erwärmt das Zuschauerherz über alle Maßen.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Ein glückliches und vor allem feinfühliges Händchen für die Regie beweist Anja Junski, die Dramaturgin des Theaters, die ebenso für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das Bühnenbild passt maßgeschneidert auf die kleine, schwierig zu bespielende Bühne, zeigt die nebeneinanderliegenden Hotelzimmer lediglich in weiß und blau gehalten ohne viel Schnickschnack und lenkt somit die Aufmerksamkeit der Zuschauer unauffällig aber konsequent auf die Darsteller. Auch die eingespielte Musik und die schlichten Kostüme unterstützen die Wirkung des Stückes zu jeder Zeit.

Stefan Schneider und Cynthia Thurat gelingt es als Arthur und Claire mit großem Wortwitz und Situationskomik die vielleicht vermutete Schwere des Themas aufzulösen. Sie zeigen eine große Bandbreite an schauspielerischem Können und transportieren Emotionen gekonnt ins Publikum. Hier fließen weniger Tränen der Trauer und Wehmut, sondern eher solche des Lachens. Auch Fabio Piana, als Arthurs Sohn David, gelingt es die Leichtigkeit des Spiels, auch nach dem Tod seines Vaters zu bewahren und alle gemeinsam entlassen die Zuschauer am Ende frohen Mutes, ohne schweres Herz und schmunzelnd in die laue Sommernacht.

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

„Arthur & Claire“ können Sie noch bis zum 19. September 2018 täglich im Grenzlandtheater sowie ab dem 20. September 2018 auf kleiner Tour durch die Städteregion Aachen erleben. Lassen Sie sich nicht von der vermeintlichen Schwere des Themas abschrecken und begeben Sie sich mit den beiden Protagonisten auf eine Reise durch das mit viel Liebe gespickte, pralle Leben. Restkarten erhalten Sie für beinahe alle Vorstellungen noch sowohl an der Tageskasse, als auch online unter www.grenzlandtheater.de.


Text und Fotos: Astrid