Alexander Klaws – „Jetzt und Hier“

feat. Willemijn Verkaik
Special Guest: Christina Patten

(18.06.2018 – Admiralspalast Studio, Berlin)

Alexander Klaws – „Jetzt und Hier“ 2018

Am Montag den 18.06.2018 feierte Alexander Klaws im Studio des Berliner Admiralspalastes das Bergfest seiner fünf Konzerte umfassenden Tour „Jetzt und Hier“, welche ihn mit seinen Kolleginnen Willemin Verkaik und Christina Patten noch bis zum Jahresende durch zwei weitere beliebte Konzertsäle in Deutschland führt. Lockte er noch zu Beginn seiner Popkarriere vor gut fünfzehn Jahren unzählige Zuschauer vor die Fernsehbildschirme und füllte mühelos große Konzerthallen, so lässt er es diesmal etwas beschaulicher angehen, doch der Stimmung in dem mit rund 450 Sitzplätzen ausgestatteten Studio tut dies keinen Abbruch. Der kleine, steil ansteigende Zuschauerraum ist beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt und schon bei Einlass ist die Vorfreude im Publikum deutlich zu spüren. Als der Protagonist mit „Dir gehört mein Herz“ aus dem Disneymusical „Tarzan“ schließlich die ebenerdige Bühne betritt, wird er mit lautem Jubel empfangen. Überhaupt zieht sich dieser Titel durch den gesamten Abend, wird er doch insgesamt gleich drei Mal zum Besten gegeben. Bevor es jedoch so weit ist, bittet Gastgeber Klaws seine reizenden Kolleginnen Willemijn Verkaik, an deren Seite er derzeit im Berliner Theater des Westens noch bis zum Herbst in „Ghost“ zu sehen ist, und Christina Patten auf die Bühne.

Schwungvoll geht es weiter mit einem Rückblick ins Jahr 2016, in welchem Klaws in Tecklenburg bei den Sommerfestspielen auf der Freilichtbühne zu sehen war. In „Saturday Night Fever“ stand er an der Seite seiner Freundin auf den Brettern die die Welt bedeuten und mit ihnen, wie er verklärt erzählt noch ein damals winzig kleiner jemand, der weder auf der Besetzungs-, noch auf der Gehaltsliste stand, mittlerweile aber die Familie durchaus bereichert. „Wir standen ja damals schon zu dritt auf der Bühne, nur da wusste es noch keiner.“, erinnert er sich, ehe er seiner Kollegin das Feld überlässt.

(c) Andrea Ney
(c) Andrea Ney

Im anschließenden Filmblock erinnert er mit „Free like the Wind“ aus dem Film „Held der Gladiatoren“ an den Beginn seiner Karriere. Augenblicklich fühlt man sich zurückversetzt und lauscht den wohl bekannten Melodien, die ausnahmslos Ohrwürmer sind. Auch Willemijn Verkaik kommt in dieser Liedfolge zu ihrem Recht und intoniert mit Unterstützung des Publikums das allseits beliebte „Lass jetzt los“, aus dem Erfolgsfilm „Die Eiskönigin“, in welchem sie in der niederländischen Version komplett, in der Deutschen lediglich gesanglich der Heldin ihre Stimme geliehen hat.

Songs aus der Feder von Sir Andrew Lloyd Webber sind ebenfalls ein Garant für Erfolg, und dürfen somit bei kaum einem Konzert fehlen. So meint Klaws verschmitzt, verzichtet er zwar auf die Rollschuhe, nicht aber auf die Lieder, ehe er „Starlight Express“, das Titellied des gleichnamigen Musicals anstimmt. Anschließend taucht er gemeinsam mit Christina Patten in den Zauber von „Joseph and the amazing technicolor dreamcoat“ ein.

Der musikalische Höhepunkt des ersten Teils wird direkt vor der Pause geboten. Mit einigen Ausschnitten aus dem Musical „Goethe – Auf Liebe und Tod“, welches auf dem Film „Goethe!“ basiert. Selbiges stammt aus der Feder keiner Geringeren als Martin Lingnau und Frank Ramond, und ist als Produktion der Folkwang Universität der Künste in Zusammenarbeit mit Stage Entertainment als Abschlussprojekt des Jahrganges 2017 entstanden – zuvor hat Klaws im Reading als Titelfigur des Stückes fungiert. Leider hat es das Musical bislang trotz der hervorragenden Texte und eingängigen Melodien noch nicht auf die große Bühne geschafft. Als bislang Einzigen ist es Alexander Klaws und Willemijn Verkaik derzeit gestattet, einige Lieder daraus vorzutragen, und damit das Verlangen nach mehr beim Publikum zu wecken.

(c) Andrea Ney
(c) Andrea Ney

Wie wandelbar sie ist, zeigt vor allem Christina Patten an diesem Abend. Ob unaufdringlich im Hintergrund, oder in Soloauftritten, begeistert sie das anwesende Publikum stetig aufs Neue. Im zweiten Teil des Konzertes schlüpft sie zunächst in die Rolle von Wirtstochter Sarah aus dem allseits beliebten „Tanz der Vampire“ und kokettiert auf ihre ganz eigene Art, die große Lust darauf macht, die vor allem als „Ich“ aus dem Erfolgsstück „Rebecca“ bekannte Darstellerin einmal in dieser und anderen Hauptrollen zu erleben. Auch als zauberhafte „Jane“ steht sie in diesem Akt an der Seite des Gastgebers und beweist damit, dass sie sich beinahe mühelos zwischen den unterschiedlichsten Rollen zu bewegen vermag.

Doch noch vor dem Tarzan-Block spielt die an diesem Abend fünfköpfige Band unter der Leitung von Mario Stork andere Töne an. Die Rede ist selbstverständlich von „Ghost“, in welchem sich Verkaik und Klaws derzeit als Bühnenpaar die Ehre geben. Nach Hamburg werden sie das Stück nach eigener Aussage nicht begleiten, wer sie also noch gemeinsam erleben möchte, hat lediglich bis zur ersten Oktoberwoche Gelegenheit dazu. Nach „Jetzt und Hier“, den Namensgeber des Konzertes, folgen vier weitere, wobei sich der Ohrwurm „Unchained Melody“ gleich doppelt einschleicht, einmal in der Musicalversion, von Klaws als Rollenfigur Sam auf der Gitarre selbst begleitet, und zuletzt als Duett in der Albumversion. Nach einem zweiwöchigen Urlaub fällt es dem Gastgeber nicht ganz leicht in den Alltag zurückzukehren, was er mit einer Portion Humor zu überspielen versucht, und das Publikum mit einem Lächeln auch kleinere Textunsicherheiten verzeiht.

(c) Andrea Ney
(c) Andrea Ney

Die Lacher weiterhin auf seiner Seite hat er in der nächsten Moderation, in der es darum geht, dass er nicht unzufrieden sei, seine derzeitige Bühnenpartnerin beim vorherigen Engagement bei „Tarzan“ verpasst zu haben. „Ich glaube, das hätte sich irgendwie komisch angefühlt, wenn sie vorher meine Mutter gewesen wäre und jetzt meine Freundin“, grinst Klaws und stimmt „Zwei Welten eine Familie“ an. Mit den Auszügen aus der Dschungelwelt neigt sich der Konzertabend dann auch bereits dem Ende entgegen. Bevor sich Alexander Klaws unter stehenden Ovationen zu drei letzten Zugaben hinreißen lässt, stimmen die Protagonisten zwei weitere Male „Dir gehört mein Herz“ an – welches stets anrührt -, so dass das Lied am Ende von jedem einmal vorgetragen wurde. Die Frage, warum sie es nicht einfach einmal zusammen getan haben, drängt sich dennoch auf.

Mit „We have a dream“, bei dem Willemijn und Christina noch einmal unterstützen und „Take me tonight“, versetzt er das Publikum augenblicklich noch einmal fünfzehn Jahre zurück und vereinzelt ertönen Stimmen aus dem Saal, die den Sänger begleiten. Alles in allem ist „Jetzt und Hier“ ein kurzweiliges Programm, mit einigen Überraschungen, bei dem die Fans von Alexander Klaws voll auf ihre Kosten kommen. Im Oktober in Oberhausen und Mitte Dezember in Buchholz gibt es letztmalig die Gelegenheit, sich „Jetzt und Hier“ anzusehen.

Text & Bilder: Andrea