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Wenn ein „Herz aus Gold“ zerbricht

Musical-Uraufführung in Augsburg

(c) Jan Pieter Fuhr
(c) Jan Pieter Fuhr

Nicht zum ersten Mal hat das Theater Augsburg eine eigene Produktion am Start, doch „Herz aus Gold“ ist ganz speziell auf Augsburg geprägt, denn es erzählt die traurig-schöne Liebesgeschichte zwischen Jakob Fugger und Sibylla Artzt. Dass dies in einer geschichtlich höchst interessanten Zeit stattfindet und viele Geschehnisse historisch belegt sind, ist besonders reizvoll.

Mit dem Musical über Jakob Fugger möchte man dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt, der gleichzeitig auch der reichste Mann der Welt war und Augsburg damit ebenfalls zur reichsten Stadt machte, ein musikalisches Denkmal setzen. In der heutigen Zeit wäre Jakob Fugger sogar reicher als z.B. Bill Gates.

Im zarten Alter von 14 Jahren wurde Jakob von Augsburg nach Venedig geschickt, um dort als Kaufmann ausgebildet zu werden. Das Musical beginnt mit seiner Rückkehr nach Augsburg 1487 – eine große Szene, bei der das ganze Ensemble auf der Bühne ist. Die Gesellschaft Augsburgs trifft sich zum Tanz, einem Reigen, begleitet von barock wirkender Musik. Doch Jakob ist dies alles zu langweilig und spießig und so zeigt er den Herrschaften, wie man in Venedig tanzt, wild und ungezwungen.

(c) Jan Pieter Fuhr
Roberta Valentini (c) Jan Pieter Fuhr

Insgeheim hofft er jedoch, seine Jugendliebe Sibylla wiederzusehen und sie endlich heiraten zu können. Denn er kommt aus Venedig als erfolgreicher und reicher Mann mit völlig neuen Geschäftsideen zurück. Doch Sibylla hat sich nicht an das Versprechen gehalten, auf Jakob zu warten. Sie ist inzwischen verheiratet und hat eine Tochter, die ebenfalls Sibylla heißt. Jakob ist sehr enttäuscht.

Seiner Mutter und seinen älteren Brüdern erklärt Jakob sein neues Geschäftsprinzip. Er verleiht Geld und lässt sich dafür Sicherheiten, wie die Anteile an den Silberminen in Salzburg sowie Ländereien, geben. „Warum mit Kaufleuten handeln, wenn man das auch mit Königen, Kaisern und Päpsten kann“ ist ebenso seine Devise wie „Fortschritt geht über Leichen“. Er unterstützt u.a. auch die Kriege von König Maximilian I finanziell, bis dieser zum Kaiser gekrönt wird. Dafür erhält er immer wieder neue Ländereien.

In Augsburg finden seine fortschrittlichen Ideen keine Zustimmung. Selbst seine beiden Brüder und seine Mutter sind skeptisch. Aber besonders Kaufmann Welser, gespielt von Holger Hauer, der das Stück auch inszeniert hat, ist sein größter Konkurrent, besonders nachdem Jakob ihm gesagt hat, dass er ihn nicht als Teilhaber haben will, obwohl Welser ihm sogar die Hochzeit mit seiner Tochter anbietet. Ihre Konfrontation endet in einem Schachspiel. Auch wenn man solche Szenen schon aus „Elisabeth“ oder „Chess“ kennt, ist dieses Lied hier sehr rockig und die Kostüme sehr modern, genau wie die Choreografie dazu.

Da die ganze Familie Jakob dazu drängt zu heiraten und einen Erben zu zeugen, er aber nur Sibylla sen. haben möchte, bietet diese ihm die Hand ihrer Tochter an. Denn Mutter Sibylla liebt Jakob zwar auch immer noch, ist aber in ihrer eigenen, sehr engsichtigen Moral gefangen, dass sie, selbst nachdem ihr Mann gestorben ist, sich nicht überwinden kann, Jakob zu heiraten. Doch durch die Hochzeit ihrer Tochter mit ihm kann sie in seiner Nähe bleiben. Auch Jakob hofft im Stillen, durch die Hochzeit mit der Tochter die Mutter näher an sich zu binden und geht auf den Handel ein. Die Trauung ist ein großes Spektakel und auch optisch wunderschön anzuschauen.

(c) Jan Pieter Fuhr
(c) Jan Pieter Fuhr

1518 kommt der todkranke Kaiser Maximilian zum Reichstag nach Augsburg. Jakob fürchtet um sein Vermögen, denn er hat dem Kaiser viel Geld gegeben. „Wir müssen seinen Nachlass regeln, bevor er es tut“ sagt er zu Mutter und Tochter Sibylla. Und mit Hilfe der beiden Frauen gelingt es Jakob, den drohenden finanziellen Ruin abzuwenden. Vom Kaiser bekommt er die Rechte daran, Handel mit dem Gold aus der „Neuen Welt“ zu treiben (Kolumbus entdeckte den Seeweg nach Amerika 1492).

Doch was weder Jakob noch Mutter Sibylla ahnen ist, wie sehr die Tochter diese Ehe mit dem viel älteren Mann hasst, besonders auch deshalb, weil dieser sie zwar verwöhnt, aber wie ein Kind und nicht wie seine Frau behandelt.  „Du durftest mich nicht zwingen“ ist eine Konfrontation zwischen Mutter und Tochter, in der all das bisher Ungesagte herauskommt.

(c) Jan Pieter Fuhr
Katharina Wollmann und Roberta Valentini (c) Jan Pieter Fuhr

Jakob fühlt sich alleine und einsam. Sibylla sen. verweigert sich ihm, Sibylla jun., mit der er verheiratet ist, will er nicht. Der Titelsong des Musicals ist traurig und schön, denn das „Herz aus Gold“ verwehrt Jakob auch Gefühle, ob er das nun will oder nicht, es ist kalt, eben ein Herz aus Gold.

Auch seine geliebte Sibylla sen. erkennt vor ihrem Tod, dass sie sich eigentlich ihr ganzes Leben lang selbst belogen, den Zwängen der Gesellschaft und ihren eigenen Moralvorstellungen unterworfen hat und dadurch immer nur unglücklich war.

Als dann zum Reichstag auch noch Luther zum Verhör nach Augsburg gebracht wird und sich dieser mit Jakob über den Ablasshandel streitet, entdeckt Jakobs Frau (die jüngere Sibylla), dass sie sich in Luthers Lehren erkennt, sie konvertiert und verlässt Jakob. Jakob, zwar der reichste Mann der Welt, ist nun ganz alleine und stirbt 1525.

Allerdings ist dies die Bühnengeschichte, denn eigentlich war Jakob Fugger mit der jüngeren Sibylla glücklich verheiratet, obwohl er, der streng katholisch war, es nicht mochte, dass Sibylla und ihre ganze Familie Anhänger von Luther waren. Auch starb er nicht alleine, sondern mit Sibylla jun. an seiner Seite.

Es ist schon bewundernswert, welch aufwändige Inszenierung „Herz aus Gold“ für eine Spielzeit von nur einem Monat ist. Nicht nur, dass über 60 Darsteller auf der Bühne stehen. Vielleicht wollte man hier ein bisschen an die glanzvollen Tage des Jakob Fugger erinnern. Es gibt sehr aufwändige Kostüme, ein großartiges Bühnenbild mit einer Treppe aus Münzen, die sogar leuchten.

(c) Ingrid Kernbach
Chris Murray (c) Ingrid Kernbach

Mit der Besetzung von Chris Murray als Jakob Fugger holte man sich einen der beliebtesten und meist beschäftigten Musicalstars Deutschlands auf die Bühne.  Murray brilliert mit seiner Stimme und seinem schauspielerischen Können. Seine Verwandlung vom jungen, vitalen Mann zum  Alten mit grauen Haaren ist beeindruckend. Der Titelsong  „Herz aus Gold“ ist sehr emotional.

Auch Roberta Valentini gehört zu den Großen der Musicalszene. Sie überzeugt als Sibylla senior. Herzzerreißend ihr Solo „Wo bin ich geblieben“. Aber auch in den Duetten mit Chris Murray und ihrer Bühnentochter Katharina Wollmann kann sie mit ihrer schönen, warmen Stimme überzeugen.

Aber nicht nur diese Beiden sind sehens- und hörenswert. Das ganze Ensemble mit Katharina Wollmann als Sibylla junior, Holger Hauer als Welser, Elke Kottmair als Mutter Fugger, Gerhard Werlitz als Ulrich Fugger und Stanislav Sergeev als Georg Fugger (letzterer hat leider einen leichten slawischen Akzent) und Thaisen Rusch als Luther sind gut besetzt.

Die Musik, geschrieben von Stephan Kanyar, ist sehr schön und reicht von barocken bis rockigen Tönen. Zu dem voll klingenden Sound tragen aber auch die Augsburger Philharmoniker und der Opernchor des Theaters Augsburg unter der Leitung von GMD Domonkos Heja bei.

Natürlich ist nicht alles historisch belegt, aber das Leben von Jakob Fugger spielte in einer Zeit, in der Vieles im Umbruch war, sei es nun die Entdeckung von Amerika 1492, der Baubeginn des Petersdoms in Rom 1506, zu dessen Finanzierung die Familie Fugger die Abgabe des „Peterspfennnigs“ für den Papst verwaltete, den Thesenanschlag von Martin Luther 1517 usw.

Die „Fuggerei“, die Jakob Fugger bauen ließ, ist die älteste Sozialsiedung der Welt. Noch heute können dort hilfsbedürftige KATHOLISCHE Familien für 0,88 Euro = Kaltmiete IM JAHR wohnen. Allerdings sollen alle Bewohner täglich drei Gebete für den Stifter und seine Familie sprechen, damit sein Weg aus dem Fegefeuer beschleunigt wird.

(c) Ingrid Kernbach
(c) Ingrid Kernbach

„Herz aus Gold“ ist eine wunderbare Reise in die Geschichte Augsburgs und in das Leben von Jakob Fugger. Ob das Musical in anderen Städten „kompatibel“ wäre, ist fraglich. Allerdings wäre es schön, wenn die Laufzeit verlängert würde oder es eine Wiederaufnahme in der tollen Kulisse des Theaters am Roten Tor in Augsburg gäbe. Zu den Besonderheiten dieses Theaters gehört sicher auch, dass zu Vorstellungszeiten die Straßen rund um das Theater für Autos gesperrt werden, da die Schlangen vor den Eingängen bis auf die Straße reichen.

Text: Ingrid Kernbach
Bilder: Ingrid Kernbach und Jan Pieter Fuhr/Theater Augsburg

Termine und Spielzeiten

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Herz aus Gold – Das Fugger-Musical (Uraufführung)

plakat herz aus gold augsburg 2018Ein fest entschlossener Blick unter einer kostbar bestickten, goldfarbenen Haube: So hat Albrecht Dürer um das Jahr 1519 den berühmten Augsburger Handelsherrn Jakob Fugger portraitiert. Jakob Fugger war seinerzeit der reichste Mann der Welt. Sein Imperium, das sich über halb Europa und Teile der eben entdeckten Neuen Welt erstreckte, machte Augsburg zu einer Finanz­metropole. Er war außerdem der erste Kaufmann, der in den Grafenstand erhoben wurde. Kurz: Jakob Fugger war ein »Global Player«.

2018 kehrt Jakob Fugger zurück nach Augsburg: In der Musical-Uraufführung Herz aus Gold von Stephan Kanyar (Musik) und Andreas Hillger (Text) wird sein schillernder Kosmos auf der Freilichtbühne am Roten Tor zum Leben erweckt. In einem Mix aus historischer Wahrheit, Dichtung und Liebesgeschichte erzählen Kanyar / Hillger das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes, der in einer Zeit, in der nach christlicher Vorstellung Zinsgeschäfte als Todsünde galten, Visionäres geschaffen hat. Er baute die Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt, und war neben den Medici in Italien der erste Bürger, der an der Schwelle zur Neuzeit seine Träume von Reichtum, Glanz und Glorie umzusetzen wagte. Er begründete damit nicht nur den globalen Kapitalismus, sondern schuf auch den modernen »Self Made Man«. Und er machte Augsburg zu einer blühenden Metropole, was sich bis heute in der Architektur der Stadt ­spiegelt.

Herz aus Gold ist eine Reise in die (vielleicht nicht so ferne) glorreiche Vergangenheit Augsburgs und Jakob Fuggers, der Stephan Kanyars heutige, genretreue Musik Rechnung trägt.

Komposition
Stephan Kanyar

Textbuch & Gesangstexte
Andreas Hillger

Premiere
30.6.18
Freilichtbühne am Roten Tor

Dauer: 2 Stunden, 20 Minuten inklusive Pause

Unser Bericht zu “Herz aus Gold” findet sich hier: —->

  • Musikalische Leitung Domonkos Héja
  • Inszenierung Holger Hauer
  • Choreografie Ricardo Fernando
  • Bühnenbild Karel Spanhak
  • Kostüme Sven Bindseil
  • Einstudierung der Chöre Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek / Carl Philipp Fromherz
  • Dramaturgie Sophie Walz
  • Jakob Fugger Chris Murray
  • Sibylla sr. Roberta Valentini
  • Barbara Fugger Elke Kottmair
  • Ulrich Fugger Gerhard Werlitz
  • Georg Fugger Stanislav Sergeev
  • Welser Holger Hauer
  • Sibylla jr. Katharina Wollmann
  • Luther Thaisen Rusch
  • Kaiser Eckehard Gerboth / Andre Wölkner
  • Priester Oliver Marc Gilfert
  • Sibylla jr. als Kind Jonna Lenke / Anne Lohrum / Carla Schäfer
  • Musicalensemble Christian Bock
  • Martina Oliveira
  • Florian Koller
  • Joanna Nora Lissai
  • Sarah K. Martlmüller
  • Naomi Simmonds
  • Edward Roland Serban
  • Thomas Zigon
  • Orchester Augsburger Philharmoniker
  • Chor Opernchor des Theaters Augsburg
  • Ballett Ballett Augsburg
  • 30.6.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 3.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor 
  • 5.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor 
  • 6.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 7.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor 
  • 8.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 10.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 12.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 13.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 14.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 15.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 17.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 19.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 20.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 21.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 22.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 24.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 25.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 26.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 27.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor
  • 28.7.2018 20:30 | Freilichtbühne am Roten Tor

#Auf der Jakobsleiter

Die Fakten sind bekannt, die Eckdaten aktenkundig: Jakob ­Fugger, geboren 1459 in Augsburg und 1525 ebenda gestorben, war der bedeutendste Montanunternehmer und Bankier seiner Zeit. Zu seinen Schuldnern zählten Päpste wie Kaiser, er finanzierte Krönungen und Kriege und sicherte sich so immensen Einfluss auf die europäische Politik. Dass »Jakob der Reiche« zudem bleibende Zeugnisse in seiner Heimatstadt hinterlassen hat, lässt ihn bis heute als wirkungsmächtigsten Augsburger Bürger aller Zeiten erscheinen. Über die Etikettierung als »reichsten Mann der Weltgeschichte« kann man freilich ebenso streiten wie über den Vergleich mit aktuellen Wirtschafts-Magnaten. Der Mensch an der Schwelle zur Neuzeit lässt sich psychologisch wie ökonomisch kaum in heutige Muster pressen, zumal aus ­Fuggers Privatleben wenig überliefert ist: Die Ehe mit der wesentlich jüngeren Sybilla blieb kinderlos, das Erbe traten seine Neffen an. Ein trauriges Finale einer großen Karriere.

Was also prädestiniert Jakob Fugger zum Helden eines Musicals? Eben das, was man nicht wissen kann, aber doch vermuten darf: Die Frage nach der Triebkraft seines Handelns ist ebenso spannend wie die nach seiner scheinbaren Gefühlskälte, der wiederum seine karitative Neigung widerspricht. Musste der Meister der doppelten Buchführung auf emotionaler Ebene tatsächlich mehr Soll als Haben verzeichnen? Und war die Lust an der Macht ein Ersatz für den Mangel an Liebe? An den Rändern der Wirklichkeit findet sich das Wahrscheinliche – und dahinter beginnen die unerforschten Bereiche des Möglichen. Dort können wir den Stoff für unser Musical finden. Die Erfindung muss hier aus Vorgefundenem geschöpft werden, die Größe der Geschichte verlangt nach respektvoller Annäherung. Dabei öffnet sich Fuggers Epoche als Zeit eines gewaltigen Aufbruchs: Die Erfindung der beweglichen Lettern hat den Informationsfluss in einen Strom verwandelt, aus der Ferne kommen Nachrichten von neu entdeckten Ländern und fremden Völkern – und im nahen Nürnberg konstruiert Peter Henlein die erste Taschenuhr, nachdem Martin Behaim dort zuvor einen Globus gefertigt hat. Raum und Zeit scheinen aus den Fugen, in einer neuen Welt muss jeder seinen Platz finden. Und Jakob gelingt es, mit riskanten Geschäften die enormen Chancen zu nutzen.

Dass ihn sein weit ausgespanntes Netz von Faktoreien dabei auch mit Informationen versorgt, lässt ihn rückblickend tatsächlich wie einen frühen Vorläufer heutiger Spekulanten erscheinen. Dass er sich dabei aber auch um sein Seelenheil sorgt, macht dann wohl doch einen Unterschied – wie die bis heute gültigen Konditionen für die Bewohner seiner Fuggerei inklusive der täglichen Gebete für den Wohltäter zeigen. Auch darin war er ein Kind seiner Zeit, der das Fegefeuer und die Apokalypse in den Grafiken von Künstlern wie Cranach und Dürer bedrohlich vor Augen standen. Ob er seinen Vornamen aber auch als Vorbestimmung verstand, die ihn mit dem biblischen Jakob und seinem Traum von der Himmelsleiter verband?

Wie sich Jakob Fugger nach seiner Heimkehr aus der ­Metropole Venedig in der ständischen Ordnung seiner Heimatstadt zurecht finden konnte, wie er sich also gewissermaßen in den Augsburger Geschlechtertanz eingereiht hat, scheint ein weiterer wichtiger Aspekt. Schließlich musste er den alten Familien noch immer als neureich erscheinen, nachdem sich erst sein Großvater das Augsburger Bürgerrecht erheiratet hatte. Und auch das ­Wappen »von der Lilie« war der Familie erst 1473 verliehen worden – also in jenem Jahr, in dem der 14-jährige ­Jakob die Vertretung seiner Familie im venezianischen ­Fondaco dei Tedeschi übernommen hatte, während seine älteren Brüder zu Hause geblieben waren. Wie lebt man mit solcher Verantwortung – und wird von ihr geprägt?

Zwischen Kurie und Kaiser, zwischen Kaufleuten und Künstlern gilt es, nach den Spuren von Jakob Fugger und seiner Familie zu suchen. Hatte der Mann, der sich den legendären Burgunderschatz erkaufte, vielleicht wirklich ein Herz aus Gold? Ebenso kostbar wie kalt? Oder war das nur eine Rüstung gegen die Anfechtungen des Lebens und Glaubens? Wir werden es sehen – am Ende einer Zeitreise, die uns tief in die Geschichte der Stadt und ihres berühmtesten Sohnes führen soll.

Quelle: Theater Augsburg

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Stage Diving, Fannähe und ausgelassene Stimmung: Michael Patrick Kelly im Amphitheater Hanau!

Am vergangenen Samstag (11.08.2018) trat Michael Patrick Kelly im Rahmen seiner aktuellen „ID“-Tour im ausverkauften Amphitheater in Hanau auf und sorgte bereits Stunden vorher für Verkehrschaos in der „Brüder-Grimm-Stadt“. Pünktlich betrat der in Dublin geborene Sänger die Bühne des Open Air-Theaters und begeisterte die 2.700 Zuschauer vom ersten Moment an mit seiner guten Laune und seiner wirklich sympathischen Art. Gut zwei Stunden lang gab der frühere Mädchenschwarm der Kelly Family mit seinem Programm tiefe Einblicke in sein Leben. „ID“ steht für Identität und genau um diese ging es an diesem Konzertabend. „Am Liebsten würde ich mich mit jedem einzelnen von euch unterhalten, euch fragen wer ihr seid, wo ihr herkommt und wie es euch geht“, erklärte Kelly direkt zu Anfang seines Konzertes. Dass die Nähe zu seinen Fans ihm sehr wichtig ist, zeigte er mehrfach und klatschte immer wieder die ersten Reihen ab, ging während eines Songs auf seinen jüngsten Fan an diesem Abend zu, um seine Hand zu halten und ließ sich mit den Worten „Seid ihr echte Freunde? Dann lasst mich nicht fallen!“ von seinen Fans quer durchs Theater auf Händen tragen.

© MPK
© MPK

Egal, ob es Songs wie „Higher Love“, „A Little Faith“, „Golden Age“, Roundabouts“ oder „ID“ aus seinem gleichnamigen Album waren oder ein Kelly Family-Medley mit „An Angel“, „One More Song“ und „One More Freaking Dollar“, es wurde Zeile für Zeile mitgesungen und die Stimmung brachte das Amphitheater zum Beben. Immer wieder erzählte der 40-jährige ein bisschen aus dem Leben und was ihm persönlich wichtig ist. “Ich habe mich mit meiner Vergangenheit versöhnt, ihr müsst da jetzt einfach vier Minuten lang durch” scherzte der Singer und Songwriter, als er das Medley der Kelly Family ankündigte. Ernster und mucksmäuschenstill wurde es hingegen, als er von der Begegnung nach dem Soundcheck mit zwei schwerkranken Fans erzählte und später auch zu einer Schweigeminute für den Frieden aufrief.

© Diana Agostini
© Diana Agostini

2017 war Michael Patrick Kelly Teilnehmer der Show „Sing meinen Song“ auf VOX und wurde mit seiner Ehrlichkeit und Authentizität zum Liebling der Show. Gerade sein damaliger Auftritt mit „Shake Away“ (Offizieller Video-Clip) dürfte vielen bis heute in Erinnerung geblieben sein. Der Pop-Song sorgt nicht nur für gute Laune und animiert zum Mitsingen, sondern symbolisiert auch Kellys Neustart nach seiner langen (musikalischen) Auszeit. Mit seinen eigenen Versionen von „Flüsterton“ und „Memories“ dankte er an diesem Abend seinen Musikerkollegen und Freunden Mark Forster und Gentleman. Mit „Shake Away“ wurde dann so langsam das Ende eines beeindruckenden Konzertabends eingeläutet.

© Diana Agostini
© Diana Agostini

Bis einschließlich 15. September 2018 tourt Michael Patrick Kelly noch durch Deutschland. Infos und Tickets gibt es unter: www.michael-patrick-kelly.com.


Artikel von Natascha

(Fotos: © Diana Agostini / MPK ; Video: MPKVEVO)

 

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Juli 2018

© Andrea Ney
© Andrea Ney

Ein Theaterjahr rast immer wieder viel zu schnell an einem vorbei. So ist die Open Air Saison 2018 bereits in vollem Gange und die ersten Freilichtbühnen feiern ihre Dernieren. Erste Proben für die kommende Spielzeit 2018/2019 beginnen und auch im Juli werden noch Premieren in der Sommersaison gefeiert. Blickt mit uns auf einen aufregenden Juli 2018 zurück.

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Deutscher Musical Theater Preis 2018 – Die Nominierten

Seit Mitte August stehen nun die Nominierten für die Preisverleihung in Hamburg fest. Das Team von Bühnenlichter.de drückt allen Nominierten die Daumen!

Musicaltheaterpreis

Bestes Musical

Bestes Revival

  • Der gestiefelte Kater (Next Liberty Jugendtheater GmbH, Graz/Österreich)
  • Erwin Kannes – Trost der Frauen (Letterland) (Theater für Niedersachsen, Hildesheim)
  • Stella – Das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm (Stadttheater Ingolstadt)

Beste Komposition

  • Nicolas Rebscher, Kevin Schroeder, Simon Triebel für »Fack Ju Göhte – Se Mjusicäl« (Stage Entertainment – WERK7 – Theater im Werksviertel, München)
  • Constanze Behrends für »Jana & Janis – Sag einfach Jein« (Schmidtchen.Theater.Reeperbahn, Hamburg)
  • Peter Lund für »Welcome to Hell« (Neuköllner Oper, Berlin)

Beste Liedtexte

  • Nicolas Rebscher, Kevin Schroeder, Simon Triebel für »Fack Ju Göhte – Se Mjusicäl« (Stage Entertainment – WERK7 – Theater im Werksviertel, München)
  • Lukas Nimscheck, Franziska Kuropka für »Jana & Janis – Sag einfach Jein« (Schmidtchen.Theater.Reeperbahn, Hamburg)
  • Alexander Kuchinka für »Zzaun! – Das Nachbarschaftsmusical« (Staatsoperette Dresden) 

Bestes musikalisches Arrangement

  • Stephan Kanyar für »Herz aus Gold – Das Fugger Musical« (Theater Augsburg)
  • Wolfgang Böhmer für »Jedermann – Ein Musical vom Sterbenlernen« (Stiftung Stift Neuzelle) 
  • Manfred Honetschläger, Peter Christian Feigel, Alexander Kuchinka für »Zzaun! – Das Nachbarschaftsmusical« (Staatsoperette Dresden)

Beste Regie

  • Werner Sobotka für »Cinderella passt was nicht« (Theater der Jugend, Wien) 
  • Werner Bauer für »Erwin Kannes – Trost der Frauen (Letterland)« (Theater für Niedersachsen, Hildesheim) 
  • Peter Lund für »Welcome to Hell« (Neuköllner Oper, Berlin) 

Beste Choreographie

  • Bart De Clercq für »Dornröschen« (Brüder Grimm Festspiele Hanau) 
  • Fredrik Benke Rydman für »Fack Ju Göhte – Se Mjusicäl« (Stage Entertainment – WERK7 – Theater im Werksviertel, München) 
  • Danny Costello für »Zzaun! – Das Nachbarschaftsmusical« (Staatsoperette Dresden) 

Bestes Bühnenbild

  • Sarah Katharina Karl für »Aus Tradition anders – Das Lilienmusical« (Staatstheater Darmstadt) 
  • Karel Spanhak für »Herz aus Gold – Das Fugger Musical« (Theater Augsburg) 
  • Walter Vogelweider für »Zzaun! – Das Nachbarschaftsmusical« (Staatsoperette Dresden) 

Bestes Kostümbild & bestes Maskenbild

  • Rebeca Monteiro Neves für »Der gestiefelte Kater« (Next Liberty Jugendtheater GmbH, Graz/Österreich) 
  • Bettina Köpp für »Erwin Kannes – Trost der Frauen (Letterland)« (Theater für Niedersachsen, Hildesheim) 
  • Sven Bindseil, Jürgen Endres für »Herz aus Gold – Das Fugger Musical« (Theater Augsburg) 

Beste Darstellerin in einer Hauptrolle

  • Pia Douwes für »Ein wenig Farbe« (Theatercouch, Wien) 
  • Johanna Spantzel für »Fack Ju Göhte – Se Mjusicäl« (Stage Entertainment – WERK7 – Theater im Werksviertel, München) 
  • Janne Marie Peters für »Jana & Janis – Sag einfach Jein« (Jana & Janis – Sag einfach Jein) 

Bester Darsteller in einer Hauptrolle

  • Florian Stanek für »Der gestiefelte Kater« (Next Liberty Jugendtheater GmbH, Graz/Österreich) 
  • Alexander Prosek für »Erwin Kannes – Trost der Frauen (Letterland)« (Theater für Niedersachsen, Hildesheim) 
  • Chris Murray für »Herz aus Gold – Das Fugger Musical« (Theater Augsburg) 

Beste Darstellerin in einer Nebenrolle

  • Patricia Nessy für »Cinderella passt was nicht« (Theater der Jugend, Wien) 
  • Kerstin Ibald für »Dornröschen« (Brüder Grimm Festspiele Hanau) 
  • Franziska Becker für »Erwin Kannes – Trost der Frauen (Letterland)« (Theater für Niedersachsen, Hildesheim) 

Bester Darsteller in einer Nebenrolle

  • Christoph Marti für »Coco – ein Transgendermusical« (Konzert Theater Bern) 
  • Jürgen Brehm für »Erwin Kannes – Trost der Frauen (Letterland)« (Theater für Niedersachsen, Hildesheim) 
  • Robin Cadet für »Fack Ju Göhte – Se Mjusicäl« (Stage Entertainment – WERK7 – Theater im Werksviertel, München) 

Ehrenpreis verliehen an Pia Douwes


Quelle: Deutscher Musical Theater Preis 2018

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Die Bewerber 2018

LOGO-Deutscher-Musical-Theater-Preis-ROT-AIFolgende Produktionen haben sich für den Deutschen Musical Theater Preis 2018 beworben. Einige hatten zu diesem Zeitpunkt (April 2018) schon ihre Uraufführung oder ihr Revival, einige folgen noch.

Uraufführungen

  • Coco – Konzerttheater Bern / UA 20.04.2018
  • Das Dschungelbuch – Luisenburg-Festspiele, Wunsiedel / UA 05.06.2018
  • Die Hatzfeldt – Schloss Biedenkopf / UA 11.08.2017
  • Anna Göldi – Neuhausen am Rheinfall – Schweiz / UA 07.09.2017 (kein Link verfügbar)
  • Zzaun! – Staatsoperette Dresden / UA 03.03.2018
  • Rasputin – Theater Hof – UA 28.10.2017
  • Die Kleine Meerjungfrau – Wintergarten Berlin / UA 26.11.2017
  • Fack Ju Göhte – Se Mjusicäl – Werk7 – Theater im Werksviertel München – UA 21.01.2018
  • Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht – Deutsches Theater Berlin, Kammerspiele – UA 21.01.2018
  • Der Frauenversteher – Wiener Metropol – UA 14.02.2018
  • Bambi – Das Waldical – St. Pauli Theater Hamburg – UA 02.03.2018
  • facebook agb – das musical – Kunst- und Kulturverein Spedition Bremen e.V. – UA 10.08.2017
  • Jana & Janis – Sag einfach Jein! Schmidtchen Theater, Hamburg – UA 23.03.2018
  • Welcome to hell Neuköllner Oper, Berlin – UA 15.03.2018
  • Aus Tradition anders – Das Lilienmusical – Staatstheater Darmstadt – UA 28.04.2018
  • Herz aus Gold – Das Fugger Musical – Theater Augsburg – UA 30.06.2018
  • Wie es euch gefällt – Theater am Aegi – UA 02.08.2018
  • Jedermann – Ein Musical vom Sterbenlernen – Kloster Neuzelle – UA 19.07.2018
  • Die Schatzinsel – Uckermärkische Bühnen Schwedt – UA 09.06.2018
  • Dornröschen – Brüder Grimm Festspiele Hanau – UA 11.05.2018
  • Rulantica – The Musical – Europa-Park GmbH Rust – UA 28.04.2018
  • Ein wenig Farbe – Theatercouch Wien – UA 04.05.2018

Revivals

  • Das Kunstseidene Mädchen – Landesbühne Niedersachsen-Nord / PR: 09.09.2017
  • In 80 Tagen um die Welt – Theater Flensburg / PR: 16.09.2017
  • Stella – Theater Ingolstadt / PR 21.10.2017
  • Der Gestiefelte Kater – Next Liberty Graz / PR 19.11.2017
  • Vom Geist der Weihnacht – Theater Nordhausen – PR 08.12.2017
  • Cinderella passt was nicht – Theater der Jugend Wien / PR 12.12.2017
  • Die Päpstin – Big Dimension GmbH, Aufführungen in Neunkirchen und Stuttgart – PR 21.12.2017
  • Erwin Kannes- Trost der Frauen – TfN Hildesheim – PR 25.03.2018
  • Grimm! – Theater Erfurt – PR 01.02.2018

Quelle: Deutscher Musical Theater Preis 2018

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Ingrid Kernbach

2018

2017

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Musical Christmas 2017 – Hollywood Edition

DSC08377-(C) Ingrid Kernbach musical christmas chris murray 2017 pforzheim

Wie das Christkind kommt auch Chris Murray alle Jahre wieder. Seine Musical-Christmas ist ein unterhaltsames Programm mit Liedern aus Musicals, Weihnachtsliedern und – da diesmal die Hollywood-Edition angesagt war – Filmmelodien. Dabei kann der Sänger, der sicher einer der meist beschäftigtsten Darsteller in Deutschland ist, auf einen umfangreichen Schatz an bekannten, aber auch neuen Musical-Produktionen zurückgreifen. Sicher liegt es auch daran, dass man ihn selten in En-Suite-Produktionen, sondern eher auf den Bühnen von Stadttheatern sieht.

In Pforzheim hat Chris Murray seit der fast schon legendären Produktion von Frank Wildhorns “Dracula” eine besonders treue Zuschauergemeinde. Dank seiner Nähe zum Publikum kennt er viele Besucher persönlich und teilweise sogar deren Familiengeschichte. So verwundert es nicht, dass er gleich 2x hintereinander das Podium des Theaters Pforzheim in Windeseile ausverkauft hatte.

Die Vielseitigkeit von Chris Murray spiegelt sich auch in seinem Programm wieder. Eröffnet wurde der Nachmittag des 3. Advents mit einer lustigen Spielerei. Die Musik läuft, aber es ist niemand zu sehen und nur aus dem Off hört man Stimmen: „wieso läuft denn das playback schon“, „stell du es ab“, „nein, ich hab Angst“ …

DSC08576-(C) Ingrid Kernbach musical christmas chris murray 2017 pforzheim
Philipp Polzin am Piano.

Dann erscheinen Chris Murray und Philipp Polzin, noch ohne Anzugsjacke, ein letzter Tannenbaum wird gerichtet, „Die perfekte Nacht“ kann beginnen – dies ist quasi auch schon das erste Lied von sehr vielen, die noch folgen.

Nach „Christmas is all around me“ kommt ein Filmlied aus „Der kleine Lord“ – wie uns Chris Murray erklärt – ein Film, der in England und Amerika fast unbekannt ist, bei uns aber an Weihnachten sehr oft im Fernsehen läuft.

Besinnlich geht es mit „Adeste Fideles“ und “Das Mädchen von früher” aus „The Scarlet Pimpernel“ weiter, gefolgt von „White Christmas“.

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Der Gast des Abends: Yvonne Anett, die mit Chris zusammen in “Dracula” gespielt hat.

Doch in den Konzerten wird nicht nur gesungen, es gibt auch Weihnachtsgeschichten. Und einen von Stadt zu Stadt wechselnden Gast. In Pforzheim ist dies Yvonne Anett, die mit ihm zusammen hier “Dracula” gespielt hat. Die Geschichte vom fehlenden „Lametta“, die die beiden harmonisch im Wechsel erzählen, ist eine schöne Abwechslung und bringt die Zuschauer zum Lachen.

DSC08345-(C) Ingrid Kernbach musical christmas chris murray 2017 pforzheim„Anthem“ aus dem Musical „Chess“ ist quasi eine Nationalhymne, aber eine, für kein bestimmtes Land, wie uns Chris Murray dann erzählt.

Überhaupt sind Konzerte von Chris Murray nicht nur ein Genuss für die Ohren, sondern es gibt immer auch ein bisschen was zur Geschichte dazu.

Da ist zum Beispiel das neue Musical „Herz aus Gold“, das in Augsburg 2018 uraufgeführt wird und das die Geschichte von Jakob Fugger erzählt. Die wenigsten wissen, dass Johann Jakob Fugger einmal der reichste Mann der Welt war und damit auch Augsburg zur reichsten Stadt der Welt machte. Aber er war nicht nur gut darin, Geld zu verdienen, er tat damit auch viel Gutes. Unter anderem baute er die Fuggerei, eine Reihenhaussiedlung für Bedürftige, die bis heute diesem Zweck dient.

DSC08289-(C) Ingrid Kernbach musical christmas chris murray 2017 pforzheimEs zeichnet Chris Murray aus, dass er sich nicht nur die Lieder der Musicals zu eigen macht, sondern sich auch mit der Geschichte dahinter beschäftigt. Und dies ist bei all den besonderen Produktionen, in denen er 2017 und 2018 spielt, nicht unbedingt wenig. Als da wären “Herz aus Gold”, die Fugger-Geschichte, die 2018 in Augsburg aufgeführt wird, “Luther” – hat er gerade gespielt, “Einstein” – wurde in Hof gespielt, “Oliver” – wird gerade gespielt – um nur einige zu nennen.

Natürlich dürfen im Programm auch die „Klassiker“ wie „Rudolph the rednose reindeer“ und „Amazing grace“ nicht fehlen, bevor es wieder mit einem neuen Musical, das 2018 auf die Bühne kommt, weitergeht: „Der fliegende Holländer“ von Philipp Polzin und Christian Dellacher wird in Köln Premiere feiern und mit ihm das Lied „Heut‘ Nacht“.

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Der “Streit” um die Kekse.

Nach dem „Winter Wonderland“ schnappt sich Yvonne einen Teller voller Plätzchen und meint „Iss sie doch“ (aus Arielle, die Meerjungfrau). Gemeinsam mit Philipp Polzin gibt es einen kleinen Kampf, wer die Plätzchen denn nun essen darf. Zum Schluss landet der Teller bei den Zuschauern und nach 90 Minuten gibt es erst mal eine Pause.

Nach der Pause ging es weiter mit “Jingle Bells” und dann einem wundervollen Titel aus dem Musical “Einstein” – „Sternenstaub“. Auch dazu gab es natürlich wieder etwas zu erzählen, aber nicht belehrend, wie manch einer vielleicht denken mag, sondern eher unterhaltend und informativ.

Für Pforzheim gibt es dann einen ganz speziellen Liederblock, nämlich 3 Lieder aus “Dracula” – “Ich leb nur, weil es dich gibt”, “Nebel und Nacht”, gesungen von Yvonne Anett, und das Duett “Leb noch einmal”, gefolgt von “Amen” aus “Luther” und “Fly me to the moon”.

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Und dann kommt ein Wunschtitel des Publikums: “Im Sommer” mit Schneemann Olaf aus dem Film “Die Eiskönigin”. Das Publikum soll mit entscheiden dürfen, was es hören will, damit es nicht nur ein Wunschkonzert des Sängers und vielleicht langweilig wird. So kamen insgesamt 3 Titel aufs Programm, die ausdrücklich gewünscht wurden.

 “Überdenk ich meine Lage” ist ein Lied aus dem Musical “Oliver”, dem wieder eine Geschichte aus dem großen Buch folgte: “Adpfent” gelesen von Philipp Polzin in Kölsch (O-Ton: Kölsch ist kann man nicht nur sprechen, man kann es auch trinken), woraufhin Yvonne Anett, die die Geschichte in Schwäbisch las, konterte “Schwäbisch kann man nur betrunken sprechen”. Trotzdem haben wir alle verstanden, was die beiden da gelesen haben und hatten viel Spaß damit.

DSC08394-(C) Ingrid Kernbach musical christmas chris murray 2017 pforzheimAuch das Lied von Oma, die nach dem Genuss von reichlich Weihnachtspunsch auf dem Nachhauseweg vom Renntierschlitten überfahren wurde, ist ziemlich komisch, obwohl sie sich nicht so anhört.

“Weihnachten hat viele Farben” lautet ein Satz von Chris Murray, womit man ihm sicher Recht geben muss. Und seine 2 Regeln im Leben lauten “VERSUCHE glücklich zu sein” und “füge niemanden ein Leid zu” – schöne Worte, die nicht nur zur Weihnachtszeit ihre Gültigkeit haben.

Und so ging mit “My heart will go on” aus dem Film “Titanic”, zu dem es auch wieder eine passende Geschichte gab, “Feliz Navidad” und “Stille Nacht” ein großartiges Weihnachtskonzert zu Ende. Und nach über 3 1/2 Stunden Konzert ließen es sich die Künstler nicht nehmen, auch noch Autogramme zu schreiben und für jeden ein nettes Wort zu finden.

In diesem Sinne “Fröhliche Weihnachten”

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Danke für den Gastbeitrag von Ingrid Kernbach, sie besuchte Konzertreihe die am 17.12.2017 in Pforzheim.

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Schöne Bescherung

Weihnachtskonzert von Felix Martin am 04. Dezember 2018 im Berliner Wintergarten

(c) Andrea Ney
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Der Dezember ist eigentlich der Monat, in dem sich die Welt ein wenig langsamer dreht, in dem die Besinnlichkeit und Zeit zum Genießen und einen Moment innehalten Einzug in die Herzen der Menschen finden soll. Meist sind es jedoch die mitunter stressigsten Wochen im Jahr, in denen die Suche nach dem Weihnachtszauber einem Wettlauf gegen die Zeit gleicht. Weihnachtskonzerte, die dieser Tage wie Pilze aus dem Boden schießen, leisten ihren Beitrag dazu, dass die Adventszeit ihren Zauber dennoch nicht verliert. Das diesjährige Weihnachtskonzert von Felix Martin trägt den Untertitel „Schöne Bescherung“ und ist wie geschaffen dazu, das Publikum einen Abend lang aus dem Alltagstrott zu entführen. Der Berliner Wintergarten, Berlins einzigartiges Varietétheater, ist mit seinem anheimelnden Charme ohnehin ein Garant für einen besonderen Abend – wenn dieser ausverkauft bis auf den letzten Platz wie ein Bienenstock summt, dann kann man sich nur wohlfühlen und von der Atmosphäre tragen lassen. Als sich der schwere Bühnenvorhang schließlich hebt, wird der Protagonist des Abends mit frenetischem Jubel empfangen, noch ehe er die ersten Töne gesungen hat.

(c) Andrea Ney
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Mit viel Liebe zum Detail ist jeder Zentimeter der großen Bühne weihnachtlich dekoriert. Im Hintergrund hängen große Kugeln, auf die je nach Stimmung verschiedenfarbige Effekte projiziert werden können. Berge von verpackten Geschenken, blinkendem Weihnachtskitsch, Engelsflügelchen, Lichterketten und ein Christbaum dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen und runden das weihnachtliche Bild ab. Ein vergnügter Nikolai Orloff begleitet Felix Martin am Flügel und die ersten Töne schwängern die Luft. Angenehm überrascht der Sänger damit, dass er nicht die üblichen Klassiker in altbekannter Manier „herunterleiert“, sondern jedem Lied seinen persönlichen Stempel aufdrückt und es damit zu einer kleinen Besonderheit werden lässt. Mit viel Witz und guter Laune wird zunächst das „Reh“, welches sich als stilisiertes Rentier mit ewig blinkender roter Nase entpuppt aus dem Wald nach Hause gesungen und „Frosty der Schneemann“ erhält einen Ehrenplatz neben einem Scheinwerfer, der den Guten ganz schön ins Schwitzen brächte, wäre er nicht aus Styropor. Glitzer und vor allem Alufolie seien schon zu Kindertagen seine große Leidenschaft gewesen, verrät er dem Publikum ausgenzwinkernd, was auch die beinahe überladene Deko erklärt, die nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringt. Dass er es jedoch versteht eine Brücke zu schlagen und nicht nur auf Albernheit und gute Laune setzt beweist der Künstler damit, dass er immer wieder auch inne hält, sich die Zeit nimmt daran zu erinnern, was Weihnachten bedeutet und den Samen des Glaubens an etwas, was man nicht sehen, wohl aber spüren kann in die Herzen des Publikums sät. Er liest den über die Jahre zu unglaublicher Popularität gelangten Brief der achtjährigen Virginia an die New York Sun, in dem sie um Aufklärung darum bittet, ob der Weihnachtsmann existiert oder nicht und die ebenso berühmte und jährlich wiederkehrend abgedruckte Antwort des Journalisten Francis Church und spannt mit dieser Geschichte gekonnt den Bogen zu einem hochemotionalen „Gold von den Sternen“, welches ohnehin selten von männlichen Darstellern dargeboten wird, in diesem Kontext jedoch noch einmal eine besondere Bedeutung erlangt.

(c) Andrea Ney
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Nicht immer geht es während der Leserunden so besinnlich zu, wie in diesem Moment. Aufgelöst wird dieser Block durch eine Reihe unterhaltsamer Zitate, die inhaltlich beinahe vom Grinch persönlich stammen könnten, jedoch Größen aus Politik, Kunst und Kultur, sowie weiteren Personen des öffentlichen Lebens zugeschrieben werden. Der unterhaltsame Abend nimmt seinen Lauf und gänzlich untätig darf auch das Publikum nicht bleiben, welches dazu animiert wird „Süßer die Glocken nie klingen“ als Chor zu intonieren. Als erste Belohnung erhält es dafür ein besonderes „Leckerli“, ein Rezept für die ganze Familie, sofern man denn Nilpferd, Giraffe und einige tausend Liter Wein zur Hand hat. Die wirkliche Belohnung jedoch ist der Auftritt von Felix Martins zauberhafter weiblicher Unterstützung, Sophie Berner. Während Jo Gehlmann, inzwischen als zweiter Musiker an der Gitarre begleitet, gibt sie zunächst ein französisches Chanson zum Besten und verzaubert das Publikum mit „Have yourself a merry little Christmas“, ehe sie für den ersten Teil des Abends leider bereits wieder von der Bühne entlassen wird und Felix Martin für ein ebenso umjubeltes „Oh night divine“ das Feld überlässt. Mit der Frage, „Wer versteht, was Liebe ist“ entlässt Martin seine Gäste in die Pause.

(c) Andrea Ney
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Mit seiner umgebundenen roten Nase dem Reisigrentier – welches noch immer ununterbrochen blinkend in der Bühnenmitte steht – Konkurrenz machend, läutet Felix Martin schließlich den zweiten Teil des Abends ein. Damit er sich nicht so allein fühlt, verteilt er kurzerhand eine Kiste voller Nasen ans Publikum, welches den Spaß gern mitmacht und gut gelaunt applaudiert. Mit „Jingle Bells“, dem ersten Lied, welches 1965 aus dem Weltall übertragen wurde, setzt er den vergnüglich-besinnlichen Abend als eine musikalische Weltreise fort. Mit großer Freude bezieht der Sänger auch immer wieder sein Publikum mit ins Geschehen ein und hat sichtlich Spaß an der Interaktion, die auf der Musicalbühne, wo man ihn sonst zu sehen bekommt, natürlich nicht möglich ist. Weitere witzige und nachdenkliche Geschichten und Gedichte rund um das Fest der Liebe und den Frieden runden das Programm ab. Auch die Zitate der Weihnachtsnörgler werden noch einmal aufgegriffen, wenngleich sehr emotionsgeladene Songs diesen den Wind aus den Segeln nehmen.

(c) Andrea Ney
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Auch Sophie Berner ist im zweiten Teil des Abends noch einmal mit von der Partie und intoniert „Imagine“ auf eine eigene anrührende Weise. Dem Rezept vom ersten Teil wird nun eine Nachspeise hinzugefügt und die Darstellung der Zubereitung treibt dem Publikum die Lachtränen in die Augen. Mit „Still, still, still“ aus der Feder von Udo Jürgens endet das Konzert viel zu schnell und Martin und seine Gäste entlassen das Publikum wieder in den Alltagstrott. Was es jedoch mitnimmt ist besonders, denn bereits an diesem 4. Dezember, mitten in der Woche und mitten im größten Stress hat es ein großes Geschenk gegeben – das Geschenk der Zeit, der Zusammengehörigkeit, ein klein wenig zu entschleunigen, gemeinsam zu lachen und vor Rührung zu weinen. Es bedarf keiner stundenlangen Berieselung mit Weihnachtsliedern, ein Weihnachtskonzert kommt auch ohne „Wham!“ hervorragend aus – an dieser Stelle danke dafür – und die Mischung in genau dieser Art zu finden erfordert Fingerspitzengefühl und Talent. Danke Felix Martin für einen zauberhaften Abend im Wintergarten.


Text und Fotos: Andrea

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