2 Nachtvögel – Tagsüber GUT zu gebrauchen

10. Februar 2018 – 20:00 Uhr in der Kunstfabrik Schlot

Mit Michael Heller und  Daniele Alan Carter

zweinachtvögel tagsüber gut zu gebrauchen

An einem kaltfeuchten Februarabend war es nach dreijähriger Pause endlich wieder so weit, die beiden einstigen Alfred-Darsteller aus dem Tanz der Vampire, Michael Heller und Daniele Alan Carter luden unter dem bedeutungsschwangeren Namen, „2 Nachtvögel – Tagsüber gut zu gebrauchen“, zu einem gemeinsamen Konzertabend in die Kunstfabrik Schlot, einem Jazzclub im Herzen Berlins, ein. Die Location liegt beinahe ein wenig versteckt in einem Keller auf einem Hinterhof. Das Ambiente, welches einen empfängt ist rustikal und urgemütlich. Mit seinem ungewöhnlichen Charme laden eine große Theke und Holztische mit Stühlen, sowie einige Barhocker zum Verweilen ein.

Ein Schild weist darauf hin, die Tische bitte nicht zusammenzuschieben, schließlich sei man nicht im Musikantenstadl. Skurrile Poster und moderne Kunstobjekte teilen sich den Platz an den Wänden und ziehen die Blicke der Besucher auf sich. Der Betreiber, John Kunkeler, verteilt hier noch selbst die Eintrittskarten, heute zu einem „Sonderevent“, der Extraklasse. Einen zentralen Platz nimmt die große, leicht erhöhte Bühne an der Stirnseite des großen Raumes ein, der etwa 300 Personen fasst. An diesem Abend ziehen die blaue Hintergrundbeleuchtung, ein Klavier und lediglich ein Mikrofon die Blicke der Anwesenden auf sich. Die Stimmung ist von Anfang an gut, und als jeder Gast mit seinen Getränke- oder auch Snackwünschen versorgt ist, beginnt das Konzert. Mit tosendem Applaus werden die ehemaligen Berliner bzw. Pariser Alfreds begrüßt, die Ihren Einstand nicht etwa auf der Bühne geben, sondern parallel zu einander durchs Publikum auf selbige zugehen.

Mit „Me and my shadow“ wird die kurzweilige Show eröffnet, die in einem Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch moderiert wird, und in der bei Weitem nicht alles glattgeht. Dass es das auch nicht muss, und der Spaß im Vordergrund steht, ist hier deutlich zu sehen. So gab es schon im Vorfeld einige Hürden zu überwinden. Begonnen mit der Terminfindung, über die Ankündigung, die von „Spaßvögeln“ immer wieder geändert wurde und dafür sorgte, dass sogar die Webseite vom Netz genommen werden musste, bis hin zur nur sehr limitierten gemeinsamen Probenzeit. Beiden Sängern sieht man an, dass sie mit viel Freude und vor allem Herzblut bei der Sache sind, nur begleitet von ihrem Pianisten Fritz (Friedrich Wengler).

In Vorbereitung auf den Abend wurden die Fans befragt, in welchen Sprachen ihnen „Tanz der Vampire“ geläufig sei. Daraus zogen sich die Darsteller sieben Sprachen, in denen sie gemeinsam am Ende des ersten Teils „Für Sarah“ vortragen. Bis dahin geht es rasant, nachdenklich, aber auch anders als üblich zur Sache. Beide präsentieren ihre Lieblingssongs auf ihre ganz eigene Art, jedoch ohne irgendwas lächerlich wirken zu lassen. Auf diese Weise hört das Publikum Danieles Interpretation von Beyonces „Running“, und Michael versucht sich als Disney Prinzessin in den verschiedensten Rollen.

Die Moderation ist durchweg sympathisch und witzig. Immer wieder gibt es kleine Anekdoten zu hören, das Kennenlernen der Beiden an Danieles Geburtstag in Berlin und dessen Engagement bei den französischen Vampiren nur kurze Zeit später, ist nur ein Teil davon. Bei einem Rock’n’Roll Medley ist auch das Publikum gefordert, nachdenklich wird es, als Bodo Wartkes herausragender und allzeit aktueller Titel „Nicht in meinem Namen“ vorgetragen wird, wobei auch kleine Textunsicherheiten gerne vom Publikum verziehen werden. Weiter geht der emotionale Programmteil mit Hallelujah (Leonard Cohen) und Imagine (John Lennon).

Der Höhepunkt des ersten Teiles ist natürlich unbestritten das bereits vorab erwähnte „Für Sarah“. Zunächst in Deutsch und Französisch gesungen, wird die Schwierigkeit durch tauschen der Muttersprachen erhöht um anschließend rasant von Spanisch über Russisch, Ungarisch und Japanisch zu Englisch zu wechseln. Nach der vorhergehenden Ernsthaftigkeit sind hier eindeutig die Lacher auf ihrer Seite und sie punkten mit dem komischen Aspekt, die Dame kurzerhand umzubenennen. Unter tosendem Applaus und mit reichlich Gelächter werden die beiden in die Pause verabschiedet.

Der zweite Teil des Abends ist ebenso abwechslungsreich wie der Erste.  Gemeinsam beweisen sie, dass ihre Stimmen zwar großartig miteinander harmonieren, doch auch jeder für sich alleine eine gute Figur abgibt und mit seinen eigenen Performances überzeugen kann. Besonders der Moment, als sich Daniele in weichem Französisch an Celine Dion wagt, lässt viele Herzen höher schlagen.

Ein Medley mit klassischen Musicals, eingebettet in eine atemberaubende Steppnummer von Michael Heller löst ihn ab und bringt die Anwesenden schon beim Zusehen außer Atem. An diesem Abend plaudern sie aus dem Nähkästchen von ihrer Sicht über Tanz der Vampire und befinden, dass Alfred doch ein „undankbarer Job“ sei. Eine andere Rolle des Stückes, in welcher der Darsteller lediglich etwa 20 Minuten Bühnenzeit gesamt habe, bekäme immer wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch, und – mit einem Augenzwinkern – auch den wesentlich größeren Gehaltsscheck.

Aus diesem Grund beschließen sie, ihr Können als Junggrafen unter Beweis zu stellen, und teilen sich „Die unstillbare Gier“. Wieder wird zweisprachig gesungen und eindeutig der Beweis erbracht, dass beide überaus wandelbar sind und sie dieser großen Rolle gewachsen wären, was gerade Michael Heller mit seinen unzähligen Engagements in der Vergangenheit gezeigt hat. Dessen fachliche Orientierung geht derzeit, neben dem aktiven Bühnenleben, in die Regie. Im vergangenen Herbst hat er dies mit den Wemmicks als erfolgreiches Projekt begonnen und forciert das nun auch weiterhin mit dem Verein OffStage Germany, wo er zu den Gründungsmitgliedern gehört. Noch wird er seinen Fans aber auch als Bühnenaktiver erhalten bleiben.

„Draußen ist Freiheit“ schließt sich an, und Michael erklärt, dass er selbiges allein singen würde, da Daniele den deutschen Text nicht beherrsche. Zu seiner offenbar grenzenlosen Überraschung und Belustigung aller Anwesenden, übernimmt der Kollege jedoch selbstsicher Alfreds Part, so dass Heller nichts anderes übrig bleibt, als seinerseits Sarah zum Besten zu geben. Unfreiwillig komödiantisch wird es, als das Tempo anzieht und der Deutsche schließlich seine eigenen Textkreationen in rasantem Tempo mit einbringt. Wobei die Überlegungen gar nicht so verkehrt sind – was sind schon rote Stiefel oder ein Schwamm, wenn man kein Butterbrot dabei hat. Der Titel gipfelt in einem atemberaubend schnellen Tanz mit sich selbst.

In Erinnerung an ihr letztes Konzert vor drei Jahren, welches sie mit Kollegin Amelie Dobler gestalteten, tragen die Beiden ihre Version von „You’re the one that I want“ vor, ehe sich bereits das Ende des Abends abzeichnet.

Ohne Zugaben entlässt das begeisterte Publikum sie nicht von der Bühne. Noch einmal bringen sie ihren Einstandssong „Me and my Shadow“, wieder unterlegt mit ihrer kleinen, aber eindrucksvollen Choreographie und entführen im Anschluss zu einer kurze Reise in den aktuellen Kultfilm „The Greatest Showman“, der derzeit große Erfolge feiert. „This is me“, titelt ihr Song und bringt damit zum Ausdruck, sich nicht verbiegen zu lassen. Mit einem weiteren Mal „Für Sarah“ beschließen sie dann endgültig ihr Konzert.

Zu hoffen bleibt, dass Daniele und Michael ihr Versprechen wahr machen, und ihre Fans nicht wieder drei Jahre bis zum nächsten gemeinsamen Auftritt warten lassen. Ihr Titel ist in jedem Fall Programm, sie sind tagsüber und vor allem gemeinsam „SEHR gut zu gebrauchen“ und geben nicht nur optisch ein tolles Bühnenpaar ab.

Text: Andrea